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berliner szenenVerschärftesZettelchaosbei der Wahl

Die Nachbarn haben Stühle rausgestellt und warten bei Kaffee und Kuchen. Weil die Schlange vorm Wahllokal bis ums Eck reicht, gehe ich schwimmen. Zwei Angler starren aufs Wasser. Dit wird heut nüscht mehr, sagt der eine. Keine Ahnung, was er meint. Als ich zurückkomme, ist die Wählerschlange noch länger, und die Nachbarn sind inzwischen beim Bier. Ich gehe duschen. Gegen fünf entschließe ich mich, mich anzustellen. Viel bewegt sich nicht, aber die Stimmung ist gut. Eine Stunde später kommt ein Wahlhelfer aus dem Wahllokal und erklärt, für die Abgeordnetenhauswahl gebe es keine Stimmzettel mehr, wer wolle, könne sofort wählen, aber nur für den Bundestag, alle anderen müssten noch warten. Einige dealen Zeit gegen Wahlrecht, die Schlange wird kürzer. Nach einer weiteren Stunde ohne Stimmzettel macht sich Unmut breit. Jemand spricht von Wahlmanipulation, eine Frau ruft die Polizei an, die sollen das Chaos dokumentieren. Die Polizei hat andere Sorgen, den Marathon sichern zum Beispiel. Ein Fernsehteam der Deutschen Welle filmt die Wartenden. Kurz nach sieben geben die Ersten auf und gehen nach Hause. Andere sind ausdauernder, holen Bier und erzählen Freunden am Telefon von dem verrückten Abenteuer, wählen zu gehen. Es dämmert schon, als mein Sohn mir eine SMS schickt. In seinem Wahllokal gebe es noch Stimmzettel für die Abgeordnetenhauswahl, dafür fehlten die Zettel für die Wahl zum Bundestag. Bei uns ist es genau umgekehrt. Ich gebe die freudige Nachricht an die Leiterin des Wahllokals weiter, und sie schickt jemanden mit dem Rad los. Kurz darauf sind die Zettel da, und wir können wählen. Als wir das Wahllokal verlassen, ist es halb acht. Die ersten Hochrechnungen sind längst durch. Im ZDF verkünden Habeck, Lindner und Scholz, regieren zu wollen. Sascha Josuweit

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