Verleger räumt auf: Personalaustausch bei der „Mopo“

Redaktionsleitung und Geschäftsführung verlassen das Blatt, Maik Koltermann wird neuer Chefredakteur.

Eine aufgeschlagene Ausgabe der Hamburger Morgenpost

Zueletzt manchmal etwas inhaltsleer: Die „Hamburger Morgenpost“ Foto: Henrik Josef Boerger/dpa

HAMBURG taz | Die Führungsspitze der Hamburger Morgenpost (Mopo) soll nach dem Verkauf des Verlages an den Digital-Unternehmer Arist von Harpe komplett ausgewechselt werden. Voraussichtlich am Montag, zwei Tage nach der offiziellen Übernahme, soll die Personalie der Belegschaft verkündet werden.

Nach Informationen der taz müssen Chefredakteur Frank Niggemeier und sein Stellvertreter Alexander Krug gehen, auch Verlagsleiterin Susan Molzow, die die Mopo selbst kaufen wollte, soll dem neuen Team nicht mehr angehören. Molzows Platz will dem Vernehmen nach von Harpe selbst einnehmen.

Als neuer Chefredakteur soll der Ex-Vizechefredakteur Maik Koltermann wieder an Bord kommen. Im vergangenen Sommer hatte er dem Boulevardblatt im Streit mit Krug den Rücken gekehrt. Krug hatte die digitale Verbreitung der Morgenpost-Inhalte auf Kosten der Zeitung massiv vorangetrieben und deren Reichweite im Netz entscheidend erhöht.

Koltermann, ein Mopo-Eigengewächs – hatte Krugs Kurs, für Printartikel keinerlei Rechercheaufwand zu betreiben, ein Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus entgegengesetzt. Doch Koltermann erhielt beim Besitzer der Mopo, dem Kölner Dumont-Verlag keinerlei Rückendeckung.

In der Mopo-Belegschaft regiert derweil „verhaltener Optimismus“ über die Zukunft des Blattes. Mit einer „Liebeserklärung an die gedruckte Zeitung und den Qualitätsjournalismus“, so ein Mopo-Mitarbeiter, hatte sich von Harpe Anfang Februar dem Team vorgestellt. Auch wenn der 41-jährige Düsseldorfer, der seit 20 Jahren in Hamburg lebt, seine „Herzblut“-Verbindung zu dem Boulevardblatt immer wieder wortreich inszenierte, ist von Harpe, der jetzt als Geschäftsführer der Internetplattform Xing ausschied, ein „Digitaler“.

In der Mopo-Belegschaft regiert „verhaltener Optimismus“ über die Zukunft des Blattes

Dass gerade jemand, der sich beruflich bislang ausschließlich in digitalen Welten bewegt hat, die Printausgabe – die er als „Herzstück der Mopo“ bezeichnet – massiv stärken will, lässt Fragezeichen im Raum stehen. So gibt es bislang auch keine Ansage, dass der ausgetrocknete Printbereich wieder verstärkt werden soll. Wie genau die „Mischung aus Idealismus und Realismus“, die der Mopo-Betriebsrat bei von Harpe ausmacht, sich auf die Zukunft der Zeitung auswirkt, ist noch völlig offen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben