Verkehr: Autobahn unerwünscht

Gegen die Verlängerung des Stadtrings von Neukölln bis zum Treptower Park regt sich Protest: Der BUND und eine Anwohnerinitiative wollen notfalls klagen.

Häuser sollen Autos weichen Bild: dpa

Naturschützer und Anwohner mobilisieren gegen die geplante Verlängerung der Stadtautobahn von Neukölln bis zum Treptower Park. "Jeder kann dazu beitragen, den Weiterbau der A 100 zu verhindern", sagte am Donnerstag Birte Rodenberg von der Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS). Bereits jetzt hätten sie über 1.000 Unterschriften gesammelt. Sollten sie das Projekt politisch nicht stoppen können, wollen BUND und BISS vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen. "Mit den Grenzwerten für Feinstaub im deutschen Recht haben wir eine neue Möglichkeit, gegen einen solchen Ausbau zu klagen", sagte Martin Schlegel, Verkehrsreferent beim BUND.

Ideen zur Verlängerung des Stadtrings im Ostteil Berlins bis hinauf zur Landsberger Allee gibt es seit der Wende. Im Bundesverkehrswegeplan von 2003 ist ein Ausbau über Treptow bis zur Frankfurter Allee vorgesehen. SPD und Linke einigten sich bei den Koalitionsverhandlungen auf die Umsetzung des ersten Abschnitts bis zum Treptower Park. Dieses Projekt nimmt nun Gestalt an: Mitte des Jahres will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Planfeststellungsverfahren starten.

In Neukölln müsste ein Tunnel gebaut werden, Richtung Treptow soll die Trasse mit ihren drei bis vier Spuren in jede Richtung in einer Vertiefung verlaufen. 3,2 Kilometer ist die Strecke lang, 420 Millionen Euro soll der Bau insgesamt kosten. Da es sich um eine Bundesautobahn handelt, übernimmt diese Summe der Bund. Auf das Land fallen nach Angaben der Verwaltung die Planungskosten von voraussichtlich rund 36 Millionen Euro.

"Das wird die teuerste Autobahn Deutschlands", kritisierte Tilmann Heuser, Chef des BUND Berlin. Jeder Kilometer koste mit 130 Millionen Euro mehr als beim Transrapid. "Während seit Jahren Milliarden in Prestigeprojekte gesteckt werden, ist gleichzeitig zu wenig Geld vorhanden, um Schlaglöcher auszubessern."

In der Beermannstraße in Treptow müssten mehrere Häuser der Autobahn weichen. "200 Wohnungen und 300 Kleingärten sollen abgerissen werden", sagte Harald Moritz von der BISS. Zudem seien Anwohner in Neukölln und Treptow vom Lärm der Autos betroffen. An der Elsenstraße, wo die Autobahn enden soll, würde sich das Verkehrsaufkommen verdoppeln. "Dort wird es zum Dauerstau kommen", sagte Moritz. Er verstehe nicht, warum man ein solches Projekt starte, wenn der Verkehr in der Innenstadt seit den 90er-Jahren um 5 bis 10 Prozent abgenommen habe.

Die Kritik kommt selbst aus den Reihen von Rot-Rot: Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Jutta Matuschek, steht der Verlängerung skeptisch gegenüber. "Die Kfz-Ausstattung in Berlin ist relativ gering, sie steigt auch nicht. Der Ausbau ist Geldverschwendung."

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält trotzdem an dem Autobahnabschnitt fest. "Wir wollen den Verkehr bündeln und so die Wohngebiete entlasten", sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Die Betroffenen bekämen angemessenen Ersatz. "Natürlich wollen wir auch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Aber eine autofreie Stadt wird es nicht geben. Die Vorteile der Autobahn überwiegen."

Sobald das Planfeststellungsverfahren startet, können die Berliner ihre Einwände gegen die Verlängerung vortragen. BISS und BUND hoffen auf regen Protest. "Jeder kann seine Betroffenheit deutlich machen - wegen des Baus an sich, aber auch wegen dem Verschleudern von Steuergeldern", sagte Birte Rodenberg. Im Zweifelsfall haben die Richter das letzte Wort.

www.keineautobahntreptow.de

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