: Verhandlungen in Sarajevo
■ Bosniens Präsidium zur Landesteilung
Genf/Sarajevo (taz) – Zum erstenmal seit Beginn des Krieges in Bosnien im April 1992 ist gestern das komplette Präsidium des Landes in Sarajevo zusammengetreten. Thema der Beratung waren die serbisch-kroatischen Vorschläge zur Teilung des Landes in drei Republiken, die eine lose Konföderation bilden sollen.
Einberufen wurde die Sitzung von Präsident Alija Izetbegović, der wie sein Vize Ejup Ganić Verhandlungen über diese Pläne bisher abgelehnt hatte. Die sieben Präsidiumsmitglieder, die in den letzten Tagen in Brüssel und Genf über die Teilung Bosniens verhandelt hatten, machten vor der gestrigen Sitzung deutlich, daß sie keine Ergebnisse erwarten. Das Präsidium werde „innerhalb von fünf Tagen“ erneut zusammentreten und erst „danach über eine Teilnahme an Verhandlungen mit Serben und Kroaten in Genf entscheiden“.
Während der letzten Woche hatten die sieben Präsidiumsmitglieder Izetbegović und Ganić mehrfach aufgefordert, ihren „Boykott“ aufzugeben und an den Gesprächen in Genf teilzunehmen. Zudem verwiesen sie auf ihr „Recht“, auch ohne den Präsidenten Entscheidungen zu treffen. Daß sie nun trotz erheblicher Sicherheitsrisiken der Einladung Izetbegovićs nach Sarajevo folgten, gilt bei BeobachterInnen der Verhandlungen als Indiz für die nach wie vor große Macht des Präsidenten.
Die in den letzten beiden Tagen von den Genfer Büros der Nachrichtenagenturen AFP und AP als Neuigkeit vermeldete „Einigung“ der Serben und Kroaten auf ein Waffenstillstandspapier sowie eine Übergangsregierung ist nicht mehr als ein geschickter Propagandacoup des bosnischen Serbenführes Radovan Karadžić. In beiden Fällen handelt es sich um die entsprechenden Dokumente des ursprünglichen Vance/Owen-Plans, die Karadžić und Kroatenchef Boban bereits vor Monaten unterschrieben hatten. azu
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