: Vergewaltigte Kinder
■ betr.: "Sie gehörten ihm aufs Wort", taz vom 14.1.93
betr.: „Sie gehorchten ihm aufs Wort“, taz vom 14.1.93
[...] Sie zitieren die abscheuliche Anklage, die darin enthaltenen Drohungen gegenüber den Kindern und die Meinung der meisten Experten hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Aussagen der betroffenen Kinder.
Gleichzeitig – und das ist mir unverständlich – lassen Sie sich auf die Taktik einer jeden Verteidigung in Prozessen gegen sexuelle Mißbrauchstäter ein. Sie zitieren deren geschickt eingesetzten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Kinder, an der „Befragungsform“ durch die Eltern, obwohl es in solchen Prozessen doch juristische Glaubwürdigkeitsgutachten gibt (Was sagen denn diese?), an der Tatsache, daß die Anklage alleine auf der Aussage von Kindern beruht (Wer ist denn in diesem Fall sexuell mißbraucht worden?), und sprechen laut einer Gutachterin von der „Suggestivwirkung bohrender Elternfragen“ (Wem sollen sich Kinder denn sonst direkt anvertrauen?).
Völlig fehl am Platze ist auch die detaillierte Schilderung einer „gebrochen wirkenden“ Frau (Zeugin), gegen die selbst wegen einer Beteiligung ermittelt wird, weil sie von den Kindern beschuldigt wird. Und dieses auch noch unter der Frage, wie weit die zerstörerischen Wirkungen des gesamten Komplexes („fünf weitere Angeklagte“) wohl noch reichen. Wenn Kinder, wie neben den Experten auch ich glaube, in bezug auf einen erlittenen sexuellen Mißbrauch nicht zu differenzierten Lügen in der Lage sind, warum sollten sie dann beim Angeklagten wahrscheinlich nicht, bei der beschuldigten Zeugin aber wohl doch die Unwahrheit sagen. Zerstörerisch ist der Komplex nicht wegen der Aussagen der Kinder, sondern wegen der Verbrechen der TäterInnen. [...]
Das Ausmaß von sexuellem Mißbrauch an Kindern und von Kinderpornographie hat nur deshalb in so erschreckendem Maße zugenommen, weil immer wieder die Aussagen der Kinder in Zweifel gezogen werden (trotz gegenteiliger Expertenmeinung), weil die Gesetzgebung in keinster Weise auf die gesellschaftlichen Entwicklungen adäquat reagiert hat und weil eine Berichterstattung wie diese ihren Teil dazu beiträgt, daß Prozesse wegen sexuellen Mißbrauchs an Kindern immer wieder ohne eine Verurteilung der Täter (in diesem Falle auch Täterinnen) enden. [...] Heidi Hördemann, Essen
[...] Kann sich so ein Schreiber überhaupt vorstellen, wie uns Eltern zumute ist, wenn wir solche Artikel lesen. [...] Ist denn nicht zu verstehen, daß nach Bild, Stern und RTL etc. wir Eltern die Schnauze gestrichen voll haben von Schreibern wie Jakobs und Co? Die klären den Fall bestimmt nicht im Sinne unserer Kinder und der vielen, die noch mißbraucht werden. Bernhard Lensing, Borken
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen