: Vergabesystem noch zeitgemäß?
Kontroverse Diskussionsrunde zum Thema ■ Subventionen für Hamburgs Theater
Nachdem Kultursenatorin Christina Weiss Anfang September mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel Gegenbühne den Versuch unternommen hatte, Kulturgespräche in der Stadt zu etablieren, folgt nun das Schmidt-Theater am Spielbudenplatz mit einer eigenen Reihe. Unter dem Titel Salon Schmidt soll über lokale kulturpolitische Themen diskutiert werden.
Am Montag abend fand die Auftaktveranstaltung der neuen Reihe zum Thema „Theatersubventionen“ statt. Erstmalig saßen Hamburgs unterschiedliche Theatermacher zusammen und diskutierten mit der Kultursenatorin und Hamburger Journalisten die Praxis der Vergabe von 174 Millionen Mark Zuschüssen (Staatstheater 146; subventionierte Privattheater 20; freie Produzenten 1,8; Kampnagel 5,6 Millionen).
In teilweise erregter Atmosphäre prallten die verschiedenen Positionen aufeinander. Hier die zufriedenen Staatsbetriebe, vertreten durch den Geschäftsführer des Schauspielhauses Peter Raddatz, dort die wenig oder nicht subventionierten Privattheater und freien Produzenten.
Hausherr Corny Littmann beschrieb die Ungerechtigkeit der Hamburger Drei-Klassen-Gesellschaft in langen Referaten. Insbesondere seitdem die subventionierten Theater mit immer mehr Musicals und Kabarett inhaltlich im Revier der sich selbst tragenden Bühnen wilderten, sei die Ungleichbehandlung offenkundig.
Zentrales, wenn auch nicht immer offen ausgesprochenes Motiv der Reden waren die inhaltlichen Kriterien der Vergabe. Dabei wurden hauptsächlich Fragen in den Raum geworfen, die deutlich machten, daß die bisherige Praxis in irgendeiner Form überdacht werden muß: Kommen die Staatstheater ihrem kulturellen Auftrag in einer Art nach, die die Millionen-Subventionen rechtfertigen? Warum sind die Unterstützungen für freie Produktionen in Hamburg so erbärmlich? Ist das heutige Subventionssystem, das aus einer Zeit stammt, in der es die Konkurrenz freier Theater und Produzenten noch nicht gab, überhaupt noch anwendbar?
Lauter Fragen, denen die Senatorin auch nur weitere hinzufügen konnte. Zumindest hält sich der Eindruck, daß dieser Gesprächsfaden weitergesponnen werden muß. tlb
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