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■ Das PortraitVerfemter Boß

Spaniens Vizepräsident Narcis Serra löste gestern im Parlament ein Rätsel: Ein abtrünniger Agent des Geheimdienstes Cesid habe die „zufällig“ aufgefangenen Gespräche von Journalisten, Unternehmern, Politikern und König Juan Carlos entgegen ausdrücklichen Weisungen auf Kassette überspielt und anschließend verkauft — um „das ganze demokratische System in Mißkredit zubringen“. Der Hintermann solch genialer Verschwörungen: Bankier Mario Conde, noch vor drei Jahren Unternehmer des Jahres. Der Abhörskandal wäre also Condes späte Rache für die Übernahme seines Finanzimperiums Banesto durch die Notenbank im Dezember 1993. Der Vize lehnte sich zufrieden zurück, die Opposition lachte ihn lauthals aus.

Mario Conde, einst umworbener Prototyp des jung- dynamischen Unternehmers, ist heute in Spanien eine Unperson. Eine Anklage wegen Fälschung von Dokumenten und unrechtmäßiger Bereicherung bedroht ihn mit mehr als 10 Jahren Gefängnis. Als Vorgeschmack diente die einmonatige Untersuchungshaft zu Weihnachten 1994, nach der er gegen 23,5 Millionen Mark Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. In nur 12 Stunden hatte der Ex-Bankier die bescheidene Summe zusammengekratzt – und das obwohl heute keiner seiner einstigen Freunde, bis hin zum König, etwas mit ihm zu tun haben will.

Der Spanier Mario Conde: vom Goldesel zum Sündenbock Foto: Reuter

Der Sohn eines Grenzbeamten arbeitete sich beharrlich hoch. 1977 wechselte er vom Staatsdienst zu „Antibiotika AG“, deren Verkauf an den italienischen Multi Montedison er zehn Jahre später in die Wege leitete. Von einem viel zu hohen Preis dafür wußte die Wirtschaftspresse zu berichten. Conde hatte sich vorher noch schnell 14 Prozent der Aktien gesichert und machte so seine ersten Millionen. Damit stieg er beim Bankhaus Banesto ein. Nur wenige Monate später war er Vorsitzender.

1989 gelang dem Aufsteiger sein größter Clou: die Gründung des ersten privaten Industriekonsortiums im Nach-Franco-Spanien, die „Corporación Industrial“. Conde durfte daraufhin bei keinem Staatsakt fehlen – bis die Glückssträhne abriß: Die Kassen wurden leer, der geplante Verkauf von 25 Prozent der „Corporación“ wurde durch Golfkrieg und Kursverfall verhindert. Auch betrügerische Schiebereien konnten Banesto nicht mehr retten. Mario Conde war die Luft ausgegangen. Reiner Wandler

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