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Untrennbar

■ Betr.: „Ein Maulkorb für die Stu dentenschaft“, taz vom 26.9. 1994

Es ist doch nach wie vor eine Illusion, zu glauben, Hochschulpolitik lasse sich von sogenannter „Allgemeinpolitik“ trennen. Die bisherige Duldung politischer Äußerungen durch die studentischen Gremien war doch das mindeste, was eine Gesellschaft – ob Uni-Rektorat, Oberverwaltungsgerichte oder einzelne Jura-Studierende – diesem vielbeschworenen Nachwuchs zugestehen mußte. Ich kann nicht glauben, daß angehende Ärzte/ Ärztinnen ab jetzt nicht mehr öffentlich Stellung nehmen dürfen zu Ungerechtigkeiten der Pflegeversicherung, oder PolitikwissenschaftlerInnen mit 500.000 DM Strafgeld bedroht werden, wenn sie Bafög-Kürzungen in den offensichtlichen Zusammenhang mit dem allgemeinen Sozialabbau stellen.

Während einerseits die Einbindung der Universitäten und ihrer Lerninhalte an die Wirtschaft gefordert wird, soll die konkrete Betroffenheit mundtot gemacht werden, wo es gerade um die Entscheidung für solche Prozesse und Entwicklungen geht. Was ist das für ein Verhältnis von Bildung, das denjenigen die gesellschaftlich relevanten Themen verbietet, die sich direkt in der institutionalisierten Aus-Bildung befinden?

Das oberste Gebot der „Mündigkeit“ ist doch mit dem Urteil des NRW-Oberverwaltungsgerichts erst recht zur lächerlichen Phrase reduziert. Die Begründung, eine politische Betätigung des Asta sei zu unterlassen, weil sie „verfassungswidrig in den individuellen Freiheitsbereich der Mitglieder eingreife, ist ja nicht erst da pervers, wo den Studierenden das Geld fehlt, Widerstand gegen solche Bevormundungspolitik zu organisieren. Wenn jetzt der Asta selbst dagegen zu keiner Demo mehr aufrufen darf, werden wir hoffentlich – hier darf ich's ja sagen – andere Wege und Mittel finden, unsere Interessen deutlich zu machen, einzubringen und vielleicht ja auch mal durchzusetzen. Jens Kastner, Studierender am Fachbereich 06/Sozialwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

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