piwik no script img

Unterwegs auf BaliJohn Kerry, einer von 10.000

"Die USA sind beim Klimaschutz weiter als Bush", sagt John Kerry. Doch auch unter einem demokratischen Präsidenten werde der Senat kein Kioto-Protokoll unterschreiben.

"Amerika gehört allen Amerikanern, nicht nur den wenigen Privilegierten", lautete ein Satz, mit dem John Kerry vor drei Jahren in den Wahlkampf gegen George W. Bush zog. Auch wenn er den Kampf verloren hat, für den Demokraten Kerry gilt der Satz noch immer. Deshalb ist er mit einer Delegation des US-Kongresses nach Bali gereist. Seine Botschaft: "Die USA sind beim Klimaschutz deutlich weiter als die Bush-Administration."

Als John Kerry am Montagnachmittag vor die Presse tritt, hat er bereits ein großes Programm hinter sich. "Amerika ist bereit, beim Klimawandel eine Führungsrolle zu übernehmen", sagt er. Was auch immer die scheidende Bush-Regierung mache, der Senat habe bereits mit einer neuen Klimapolitik begonnen. "Wir hoffen auf ein strenges Verhandlungsmandat", ruft er. Überhaupt: Das ganze Land sei weiter als Bush. Kerry zählt die Klimaallianzen der Oststaaten auf, lobt die Bundesstaaten Massachusetts, Ohio und Michigan, "und im Westen leistet Kalifornien natürlich ganz Hervorragendes". Die Welt solle wissen, dass "bereits die Hälfte der amerikanischen Wirtschaft beim Klimaschutz dabei ist". Um dann zu seinem zweiten Wahlkampfthema überzuleiten: "Wer in der Lage ist, Milliarden Dollar im Irak einzusetzen, dem sollte die Rettung der Welt auch ein paar Milliarden Dollar wert sein". Plötzlich versagt das Mikrofon, und auch das gereichte Ersatzmikrofon gibt keinen Ton von sich. "Ich glaube nicht, dass das die Bush-Regierung war", ruft Kerry in den Saal und springt dabei wie eine Aufziehpuppe herum. Als die Technik wieder funktioniert, sagt er: "Die Wissenschaft hat uns gesagt, was zu tun ist. Also lasst es uns tun."

Gibt es denn Fragen? Dutzende Journalisten recken die Arme. Ob das denn bedeute, dass ein demokratischer Präsident das Kioto-Protokoll unterschreiben werde? Kerry sagt etwas von "Fehlinterprätation", von "Missdeutung eines Senatsbeschlusses", die Frage ist ihm sichtlich unangenehm. Nein, sagt er dann, dass der Senat unter einem demokratischen Präsidenten Kioto unterschreibt, sei auszuschließen. Ob er denn wenigstens neue Emissionsgrenzen der USA in den Verhandlungen auf Bali akzeptiere? "Eine kleine Gruppe von Industrieländern ist nicht in der Lage, die Erderwärmung aufzuhalten. Alle müssen reduzieren", lautet die Antwort.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

0 Kommentare