: Unter dicken Lippen
Harald Martensteins letzter Dialog im Himmel
Im Himmel. Am Tor zum Elysium hängt ein kleines güldenes Schild: „Paradies. Bei Petrus klingeln“. Harald Martenstein drückt den Klingelknopf. Ein weißbärtiger Herr öffnet das schwere, laut quietschende Tor.„Ja, bitte? Sie wünschen?“
„Guten Tag, Martenstein.“
„Wer sind Sie?“
„Harald Martenstein. Der bekannte Berliner Kolumnist: brillant, streitbar, originell.“
Petrus führt Martenstein auf Wolke sieben, wo sein Vorgänger als Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner mit einem Rotweinglas in der Hand sofort lospoltert:
„Och, nö! Der Marte, der Zottel! Mein Erbe bei Bild. Jetzt hier!“
„Ein echter Gossen-Goethe. Gruß, Göttchen.“
„Ach, du lieber Rinnstein-Klopstock. Du Määnzer Jeck!“
„Also, ich muss doch sehr bitten!“
„Bitten? Da biste hier falsch, du Edelfeder! Fällt noch vor Dienstantritt tot um, weil er überall tönt, er wolle ‚etwas völlig Verrücktes‘ tun und mich ‚im Jenseits bei einer Flasche Wein treffen‘.“
„Aber ich wollte doch nur berühmt werden für die Ewigkeit!“
„Dicke Lippen kann niemand trennen, dicke Lippen sind nie al…“
Singt Wagner und öffnet schon die nächste Flasche Rotwein.
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