: Unerträglich
■ Betr.: „Peking bricht erneut Atomtestmoratorium“, taz vom 8.10.94
Die IPPNW protestiert entschieden gegen diesen neuerlichen Bruch des internationalen Atomtestmoratoriums durch China. Damit gefährdet China die laufenden Atomteststopp-Verhandlungen in Genf.
Seit 1945 wurden insgesamt 1.937 Atomtests mit einer Gesamtsprengkraft von rund einer Milliarde Tonnen TNT vorgenommen. Die USA schlossen sich nach ihrem letzten Test am 23.9.92 dem Testmoratorium Rußlands an. Auch Frankreich und England halten einen Teststopp ein. Allein China hat seither noch am 25.9.92, am 5.10.93, am 10.6.94 und heute in Lop Nor Atomsprengsätze gezündet.
Die doppelzüngige und scheinheilige Atomwaffenpolitik Chinas ist unerträglich. Einerseits spricht sich die chinesische Delegation bei den Teststopp-Verhandlungen in Genf für eine völlige Abschaffung der Atomwaffen aus. Andererseits testet China als einzige Atommacht weiter. Diese Tests dienen dazu, das technologische Know- how für Atomwaffenversuche im Labor zu entwickeln, um auch nach einem Atomteststopp-Abkommen weiter an der Entwicklung und Modernisierung von Atomwaffen arbeiten zu können. Damit folgt China dem schlechten Beispiel der Atommacht Nr. 1 USA, die sich die Entwicklung von Atomwaffen durch Computer-Simulation im Labor vorbehalten.
Auch unterirdische Atomtests verseuchen weiträumig die Umwelt. Radioaktive Gase entweichen und werden mit Wind und Regen über Hunderte von Kilometern fortgetragen und niedergeschlagen. Am Testort werden langlebige strahlende Gifte ins Gestein eingeschmolzen – unkontrollierte Atommüll-Endlager, die über Tausende von Jahren das Grundwasser gefährden.
Die 200.000 Ärztinnen und Ärzte der IPPNW fordern die Atommächte China, USA, Rußland, Frankreich und England auf, ehrlich und zügig das Ende aller Atomtests zu beschließen und keine neuen Atomwaffen zu entwickeln. Darüber hinaus fordern wir die Bundesregierung auf, sich für die Ächtung und Abschaffung aller bestehenden Atomwaffen einzusetzen. Dr. Eva Huenges, Vorstandsmitglied der IPPNW, Berlin
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