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■ QuerspalteUnderdogs und Übermacht

Welches Geschöpf würden die vereinten Landsleute zum Wappentier erheben, wenn sie die Wahl hätten? Den Bonner Rupfadler wohl kaum. Und auch der knusprige Goldbroiler träfe mangels Ossi-Masse nicht den Mehrheitsgeschmack. Gazettenerprobte Leserinnen haben bestimmt auf ihn getippt: den treudeutschen Schäferhund. Mal angenommen, es wäre so. Der vierbeinige Untertan mit dem tierischen Schmachtblick triumphiert über Hustinettenbär (BRD-Fernsehen) und Pittiplatsch (DDR-Fernsehen). Er avanciert zum gekrönten Köter. Wäre da nicht endlich ein kreatürlich' Haupt gestiftet für diese hundskalte Republik? Unkompliziert und vorbildhaft bei Fuß! und faß! sitz! und Platz!

Unter seinem übermächtigen Fell könnten sich die Kampfhähne in Ost und West füreinander erwärmen. Kein FDP- Politiker bräuchte mehr östliche Larmoyanz zu beklagen, kein PDSler westliche Abzocker anzuprangern. Denn nun trabte allerorten die Tugend mit hechelnder Zunge durchs Land: gehorsam, belastbar und dennoch fein anzuschauen.

Aber ach, schon trabt sie durch den Schnee von gestern. Alles nur Illusion! Denn nicht einmal der gemeinsame deutsche Schäferhund ist vor der Einheit sicher. Die zusammengeführten Schäferhundevereine von Berlin und Brandenburg, meldet die BZ, haben nur noch ein Ziel – das Zuchtziel West. Und dies, obwohl der östliche Kompakthund mit dem kräftigeren Schädel „viel temperamentvoller ist und bei der Arbeit förmlich explodiert“, berichtet Züchter Burghart Dabbert aus Bötzow. Für ihn gleicht der Schäferhund-West eher einem degenerierten Dandy, zwar anmutig, dafür aber verweichlicht: „Von den Westhunden sagt man schon mal, daß sie bei der Arbeit einschlafen.“ Nur drei Züchter setzen noch auf die Osthunde. Wenn's so weitergeht, werden von Brandenburgs Workaholics unter den „Rexen“ nur wenige als Zweite-Klasse-Rasse überleben. Vom Schäferhund zum Underdog! Doch dem Einheitskanzler sei's gedankt – das geht nicht nur Hunden so. Thomas Worm

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