Umwelthilfe kritisiert Autokonzerne: Noch mehr Abgasschummel

Messungen der Deutschen Umwelthilfe belegen neue Überschreitungen des Stickoxid-Grenzwerts. Sie fordert den Rückruf der betroffenen Modelle.

Ein Messschlauch eines Geräts zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI in einer Werkstatt in Frankfurt (Oder).

Hier wird immer wieder geschummelt: beim Abgas Foto: dpa

BERLIN taz | An diesem Donnerstag soll die erste rein elektrische S-Klasse präsentiert werden – laut Mercedes eines der saubersten Autos der Welt. Doch anderswo bei Daimler geht es nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eher schmutzig zu. Bei neuen Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) der DUH fand sich beim Mercedes C 220 d eine Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung.

Bei niedrigen Außentemperaturen wird damit die Reinigung heruntergefahren und der geltende Grenzwert für Stick­stoff­emis­sio­nen laut EKI bis zum fast Achtfachen überschritten. Damit zeigt sich, dass die Branche aus dem Dieselskandal offenbar wenig gelernt war. 2015 war bekannt geworden, dass VW und andere Konzerne mit Ab­schalteinrichtungen millio­nenfach Abgaswerte manipuliert hatten.

Immer noch nehmen es laut Umwelthilfe die Stuttgarter mit dem CO2-Grenzwert nicht so genau. Beim Plug-in-Hybrid Mercedes E 300 de, der nach offiziellen Angaben nur 36 Gramm des Klimagases pro Kilometer ausstößt, ergab der Test bei leerem Akku den dreifachen Wert, im Sportmodus gefahren sogar den 4,4-fachen. Dabei zeigt gerade dieses Modell, was technisch machbar ist. Der Stickoxid­ausstoß des Mercedes nähert sich der Nulllinie.

Das sind nur zwei Beispiele von insgesamt 17 getesteten Modellen. Auch Fahrzeuge von Audi, Land Rover und VW fielen bei den Testfahrten durch teils enorm hohe Grenzwertüberschreitungen auf. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe 2020 eindeutig festgestellt, dass Abschalteinrichtungen illegal seien, sofern sie nur der Einhaltung der Grenzwerte auf dem Prüfstand dienten, sagte DUH-Chef Jürgen Resch. „Wir erwarten, dass das Kraftfahrtbundesamt diese Fahrzeuge in Ordnung bringt oder aus dem Verkehr zieht.“

Hersteller auf Schummelkurs

Die Umwelthilfe wirft der Bundesregierung vor, die Autokonzerne trotz eindeutiger Rechtslage schützen zu wollen. Damit steht sie nicht alleine. Auch in anderen Ländern lassen Regierungen die Hersteller gewähren. Als Beispiel nennt Resch Schweden. Obwohl der Volvo XC60 D5 AWD den Stickoxid-Grenzwert um mehr als das 18-fache überschreitet, schreite die Regierung in Stockholm nicht ein.

Die DUH wirft den Herstellern vor, aus reinem Gewinnstreben auf wirksame Abgasreinigungsanlagen zu verzichten. „Die Technik ist vorhanden“, erläutert DUH-Experte Axel Friedrich, „sie wird nur nicht eingesetzt.“ Auch bei Elektroautos sieht er die Hersteller auf Schummelkurs. Der Stromverbrauch liege bei Messungen oft 30 Prozent bis 40 Prozent über dem offiziell angegebenen Wert.

Damit geht der Streit zwischen DUH und Bundesregierung um saubere Diesel in eine neue Runde. In der kommenden Woche rechnet der Verein mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Dort will die DUH die Herausgabe von Akten zum Dieselskandal erwirken. Im Juni will der EuGH über die Maßnahmen zur Luftreinhaltung in Deutschland entscheiden. Je nach Ausgang will die Umwelthilfe danach per Klage die Stilllegung der Fahrzeuge mit Abschalteinrichtungen erreichen.

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