Übermaltes Wandgemälde in Kreuzberg: „Zeit zum Ausradieren“

Der Streetart-Künstler Blu erklärt sich zur Übermalung seiner Wandbilder in Berlin-Kreuzberg. Er begründet sie mit den Veränderungen in der Umgebung.

Schwarzer Block: die Brandwände an der Cuvrystraße am Tag danach. Bild: dpa

BERLIN taz | Mit einer kurzen Erklärung auf seinem Blog hat der italienische Streetart-Künstler Blu offiziell bestätigt, dass seine beiden Wandgemälde in Kreuzberg mit seiner Zustimmung übermalt wurden. „In den Jahren 2007 und 2008 bemalte ich an der Cuvrystraße in Berlin-Kreuzberg zwei Wände“, schreibt er auf Englisch. „Im Jahr 2014, nachdem wir Zeuge der Veränderungen wurden, die in den letzten Jahren geschahen, hatten wir das Gefühl, es ist Zeit die beide Wände auszuradieren.“

Bebildert ist das Statement mit Fotos, die die Übermalung der haushohen Bilder in der Nacht zum Freitag dokumentieren. Auf der Uferbrache neben den Wandgemälden hatten lange Zeit zahlreiche Menschen in Holzhütten gelebt. Die Fläche war im September geräumt worden. Ab dem Frühjahr 2015 will dort ein Investor die „Cuvryhöfe“ errichten, eine schicke Wohnanlage mit Blick auf die Spree.

Auf seiner Webseite blublu.org dokumentiert der Künstler seit Jahren seine Arbeiten in vielen Ländern der Welt mit Fotos und Videos. Zuletzt hatte er dort Fotos von einem alten Militärlagerhaus in Rom veröffentlicht, das er in den vergangenen zwei Jahren komplett verziert hat.

Die Wandbilder an der Cuvrystraße waren zentraler Punkt aller Stadtführungen zum Thema Graffiti in Berlin und auch in einschlägigen Reiseführern und Bildbänden dokumentiert. In der Nacht zu Freitag waren sie von einer größeren Gruppen von Menschen übertüncht worden. Sie hatten dabei mehrere Kranwagen im Einsatz.

Nur noch ein Stinkefinger

Auch die Übermalung selbst war offensichtlich als künstlerische Performance inszeniert. So wurde zunächst die Hand einer der großen weißen Figuren so überpinselt, dass nur das „Stinkefinger“-Symbol sichtbar blieb. Bis zum Morgengrauen waren dann aber sämtliche von Blu stammende Figurelemente hinter schwarzer Farbe verschwunden.

Sichtbar geblieben sind hingegen Graffiti anderer Künstler am unteren Rand der Brandmauern. Sie wurden bei der Schwärzung akkurat ausgelassen. Auch der Slogan „Reclaim your city“, der offensichtlich schon oben an der Brandwand stand, bevor Blu vor sieben Jahren mit seinen Helfern im Rahmen von zwei Streetart-Festivals die Wände gestaltet hatte, ist noch zu sehen. Allerdings leicht verkürzt. Neben der schwarzen Fläche stehen nur noch die Worte „Your City“.

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