: Über 50 Tote bei Fährunglück vor Rügen
■ Polnische „Jan Heweliusz“ in Orkan gekentert
Stralsund (AP) – Bei einem schweren Fährunglück vor Rügen sind am Donnerstag vermutlich über 50 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen konnten bis zum Nachmittag neun Insassen der im Orkan gekenterten und später gesunkenen polnischen Fähre „Jan Heweliusz“ gerettet werden. 43 der insgesamt 65 Menschen an Bord wurden tot geborgen, wie die Marine in Glücksburg mitteilte. Zahlreiche Menschen trieben danach noch tot in ihren Rettungswesten.
Das Schiff war am frühen Morgen bei einem Orkan mit Windgeschwindigkeiten über 150 Stundenkilometer in Seenot geraten. Nach Angaben der Polizei in Stralsund versank die 125 Meter lange Fähre 18 Seemeilen östlich von Rügen gegen Mittag völlig im Meer. Der Schiffseigner Wlodzimierz Matuszewski sagte im polnischen Fernsehen, an Bord des Schiffes hätten sich 39 Passagiere und 29 Besatzungsmitglieder befunden. Die Fähre habe sich auf dem Weg vom polnischen Hafen Swinemünde nach Ystad in Schweden befunden. Die Bremer Seenotleitzentrale erreichte gegen 5.00 Uhr ein Notruf der „Jan Heweliusz“. Matuszewski berichtete im polnischen Fernsehen, der Kapitän des Schiffes habe um 2.00 Uhr in einem Funkspruch mitgeteilt, das Schiff habe 20 Grad Schlagseite. Um kurz vor 5.00 Uhr seien es schon 70 Grad gewesen. Um 5.02 Uhr habe das Schiff „Mayday“ gefunkt.
Scharfe Kritik wurde inzwischen von in- und ausländischen Experten wegen mangelnder Seetüchtigkeit der „Jan Heweliusz“ geübt. Sie wiesen darauf hin, daß der gesamte Fährverkehr zwischen Saßnitz und Trelleborg wegen der orkanartigen Stürme in der Nacht eingestellt wurde. Als Ursache werde „harter Konkurrenzkampf“ zwischen den Fährgesellschaften auf der Ostsee vermutet. Seite 11
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen