US-Außenminister in Indien: Öl für einen Neustart
Marco Rubio wirbt in Indien für venezolanisches Öl und verteidigt die US-Politik. Doch deren Zölle belasten das Verhältnis zwischen den Staaten.
Foto: Kylie Cooper/Pool reuters/ap/dpa
Die westindische Stadt Jamnagar ist untrennbar mit einem Unternehmen verbunden: Reliance Industries betreibt dort den weltweit größten Raffineriekomplex mit einer Verarbeitungskapazität von rund 1,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Sie wurde am Mittwoch Ausflugsziel von US-Außenminister Marco Rubio. Am Tag zuvor scherzte er: „Ich glaube, wir kommen nicht oft genug.“
Denn schon im Mai war Rubio nach Delhi gereist, um am Quad-Sicherheitsdialog teilzunehmen. Er versuchte damals zu kitten, was durch Zölle, Einwanderungsbeschränkungen und Kommentare von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Indiens Konflikt mit Pakistan an diplomatischem Porzellan zerbrochen war.
Diesmal lag der Fokus auf der Wirtschaft. In der Finanzmetropole Mumbai traf Rubio seinen indischen Amtskollegen sowie die Vorsitzenden der einflussreichen Konzerne Adani Group und Tata Sons, Gautam Adani und Natarajan Chandrasekaran. Danach reiste er ins knapp 500 Kilometer entfernte Jamnagar.
Rubio nannte Indien eine „Raffinerie-Supermacht“. In Jamnagar ging es um eine engere Energiekooperation, höhere Importe von venezolanischem Rohöl und darum, auszuloten, ob Reliance in Venezuela in die Förderung einsteigen könnte. „Einer der wenigen Orte, an denen venezolanisches Schweröl raffiniert werden kann, ist Indien“, sagte Rubio Medienvertretern.
Anlage in Jamnagar kann schweres Rohöl raffinieren
Indien importiert wieder Öl aus der südamerikanischen Republik, nachdem die Einfuhren 2020 wegen hoher US-Sanktionen gegen Venezuelas Erdölsektor eingebrochen waren. Im August 2026 erreichten die Lieferungen laut dem Analyseunternehmen Kpler rund 358.000 Barrel pro Tag. Damit stieg Venezuela nach Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Indiens größtem Öllieferanten auf. Zum Vergleich: Aus Russland kamen rund 2,1 Millionen Barrel täglich.
Marco Rubio, US-Außenminister
Jamnagar ist für Washington interessant, da die moderne Anlage schweres, schwefelreiches Rohöl verarbeiten kann. Der Konzern produziert Benzin, Kerosin und Diesel, den er auch in die USA exportiert. Vor den Zwischenwahlen versucht Trump, den Ölpreis zu stabilisieren.
Reliance ist nicht nur ein großer Rohölabnehmer, sondern ein wichtiger Akteur auf dem globalen Energiemarkt. Die Bedeutung des Konzerns reicht über das indische Ölgeschäft hinaus. Im März kündigte Trump eine milliardenschwere Partnerschaft mit Reliance Industries an, um in Texas die erste große US-Raffinerie seit 50 Jahren zu errichten. Das Projekt „America First Refining“ soll zudem Tausende Arbeitsplätze schaffen.
Der Außenpolitikexperte C. Raja Mohan sieht in Reliance einen möglichen Hebel für bessere bilaterale Beziehungen. Konzernchef Mukesh Ambani stammt wie Indiens Premierminister Narendra Modi aus dem westindischen Bundesstaat Gujarat. Ihm werden enge Verbindungen zur Regierung nachgesagt.
Indien und USA – Verhältnis besser als gedacht?
Immerhin sagte Rubio über ein Handelsabkommen mit Indien: „Wir sind nur noch Wochen davon entfernt, das Abkommen abzuschließen.“ Sameer Lalwani, Forscher in der US-Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace, hält die bilateralen Beziehungen für robuster, als es die öffentlichen Konflikte vermuten lassen. Gerade in Verteidigung, Technologie und Sicherheit werde die Zusammenarbeit weiter vertieft.
Die Widersprüche aber bleiben. Indien stellt einen großen Teil der hoch qualifizierten Arbeitskräfte in den USA, während die Trump-Regierung die Einwanderung erschwert. Zudem setzte die US-Regierung Verfahren zur dauerhaften Arbeitsgenehmigung bei mehreren Unternehmen aus, darunter die indischen IT-Konzerne Infosys, TCS und Wipro. Beim Zusammentreffen in Mumbai betonte Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar daher: „Indische Talente und indische Fachkenntnisse haben die Technologieära in den Vereinigten Staaten mitgeprägt.“
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