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UN-Kommission: Im Irak drohen jetzt Epidemien

Brüssel/New York (afp/ips) — Die Zahl der zivilen Opfer der alliierten Bombardements im Irak ist möglicherweise erheblich überschätzt worden. Der belgische Europaabgeordnete der Grünen, Paul Staes, der nach eigenen Angaben als erster europäischer Politiker von Freitag bis Sonntag Bagdad besucht hatte, berichtete, die Bombenangriffe seien weitgehend präzise gewesen. Statt 50.000, wie von den irakischen Behörden angegeben, läge die Zahl der zivilen Todesopfer landesweit bei zwischen 3.000 und 10.000. Diesen Schätzungen lägen Angaben von Rot-Kreuz-Vertretern, belgischen Missionaren, Angehörigen der Geheimpolizei und irakischen Bürgern zugrunde, mit denen er am Wochenende in Bagdad gesprochen habe, sagte Staes am Mittwoch vor der Presse in Brüssel. Dabei bleibe aber eine gewisse Unsicherheit über die Lage im Süden des Landes.

Staes appellierte an die westlichen Staaten, weitere Leiden der Bevölkerung zu verhindern. Wenn jetzt versucht werde, über die Aufrechterhaltung der Nahrungsmittelblockade Druck auf die Bevölkerung auszuüben, damit diese gegen Saddam Hussein revoltiere, so sei dies „verabscheuungswürdig“. Der Irak brauche dringend Wasseraufbereitungsanlagen, Chlor und Medikamente. Die größte Gefahr bestehe darin, daß durch Unterernährung und schlechte Hygienebedingungen Seuchen ausbrächen.

Dies bestätigte auch ein Bericht, den gestern eine Kommission der Vereinten Nationen nach ihrem Besuch im Irak vorlegte. In Bagdad funktionieren nur noch fünf Prozent der Wasserversorgung normal. Die Kloakenwasser rinnen ungereinigt in den Tigris, der für die Bagdader sowohl Trinkwasserquelle als auch Badestätte geworden ist. Die jetzt drohenden Epidemien könnten mehr Opfer fordern als die sechswöchige Dauerbombardierung, schloß der Bericht der UN-Kommission.

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