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"Tussiterror beim Friseur"

Wortakrobatik Mit Alltagserlebnissen slammt eine Bremer Grundschullehrerin durch Deutschland

Rita Apel

62, ist seit 40 Jahren im Bremer Schuldienst und amtierende Landesmeisterin im Poetry Slam für Niedersachsen und Bremen.

taz: Vorleseveranstaltungen wie heute abend in Bremen oder Poetry-Slams wie kürzlich in Hannovers Opernhaus – wo ist der Unterschied?

Rita Apel: Heute Abend fallen die Mitwerber um Aufmerksamkeit und das Zeitlimit weg, ich kann also auch längere Text vorstellen.

Wo wurden Sie mit dem Wortakrobatikvirus infiziert?

Bei „Proppers Poetry Slam Meisters“ im Lagerhaus habe ich häufig zugehört, mich dort 2003 auch erstmals auf die Bühne getraut – und dann sogar bundesweit viele Preise gewonnen.

Welche?

Einen Blumentopf, Totenschädel, Fischdosen und ein goldenes Mettbrötchen. Die meisten Gewinne habe ich schon ausgetrunken.

Als Grande Dame unter den Slammern: Wie sieht Ihre Performance aus?

Ich lese vom Blatt ab, um mich nicht zu verhaspeln, kann die Texte aber auswendig. Die müssen was taugen, die Inhalte stimmen. Ich schauspielere dazu also nicht herum und ziehe auch dieselben Sachen an wie vor meiner 2. Klasse in der Blumenthaler Grundschule.

Slammen die Kinder dort auch?

Da bin ich froh, wenn die ein paar Sätze richtig schreiben.

Und was erwarten Sie vom Publikum?

Remmidemmi, die sollen richtig Krach machen. Und mitgehen. So ein Feedback ist der Grund, warum ich öffentlich auftrete.

Was schreiben Sie?

Reime mag ich gerade sehr und sprachspielerische Kurzgedichte, ich will damit Alltagserlebnisse ausschmücken. Zwei Drittel meiner Texte sind lustig, behandeln den Tussiterror beim Friseur …

… oder ganz ernsthaft auch die Katastrophen der Flüchtlinge im Mittelmeer:

Das sind von vornherein Loser, aber uns ist das doch Lampedusa. Sag Lampedusa, wenn dir das egal ist, wenn 20.000 für dich nur eine Zahl ist. Lampedusa, das neue Egal – für so viel Verzweiflung und Qual.

Wenn Sie reich und berühmt sind und Ihr Leben verfilmt wird, für den Fall haben Sie verfügt …

… ich möchte nicht von Veronika Ferres gespielt werden.

Interview: Jens Fischer

19.30 Uhr, Neues Ortsamt Horn-Lehe, Leher Heerstraße 105-107

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