Trumps Griff nach Grönland: US-Parlamentarier stellen sich hinter Dänemark
Mehrere Politiker reisen aus Washington nach Kopenhagen und missbilligen öffentlich den Expansionsdrang des US-Präsidenten. Auf der Arktisinsel und in Dänemark sollen heute Anti-Trump-Demos stattfinden.
dpa/afp | Vor geplanten Demonstrationen gegen die US-Regierung in Dänemark und Grönland haben mehrere US-Parlamentarier ihre Unterstützung des Widerstands gegen Donald Trump bekräftigt. „Grönland ist Teil Dänemarks, und Dänemark ist ein Nato-Verbündeter“, sagte der demokratische Senator Chris Coons während einer Pressekonferenz in der dänischen Hauptstadt. „Meiner Meinung nach sollte damit diese Diskussion beendet sein.“
US-Präsident Trump hatte wiederholt gesagt, dass die Vereinigten Staaten das größtenteils von Eis bedeckte Grönland übernehmen wollen. Trump begründet dies mit Sicherheitsbedenken wegen einer Bedrohung durch China und Russland in der Region. Ländern, die gegen sein Vorhaben eintreten, drohte er zuletzt mit Strafzöllen.
Coons bezeichnete die Aussagen als „nicht konstruktiv“. Die derzeitige Behandlung Dänemarks könnte der Beziehung beider Länder nachhaltig schaden. Wie könne den USA vertraut werden, wenn der Nato-Verbündete Dänemark im Stich gelassen werde, fragte der den Bundesstaat Delaware vertretende Coons. Die Delegation kündigte an, mit US-Außenminister Marco Rubio Kontakt aufnehmen zu wollen.
Die elf Parlamentarier, die nach Dänemark gereist waren, versuchten zu verdeutlichen, dass Trumps Vorhaben in den USA auch auf Widerstand stoße. Zwar gehörten zu der Gruppe nur zwei Vertreter von Trumps republikanischer Partei. Dies sei aber kein Zeichen dafür, dass sich die Republikaner in Gänze nicht für das Thema interessierten oder schon für eine Seite entschieden hätten, sagte die republikanische US-Senatorin Lisa Murkowski.
Erkundungsmission mit Bundeswehrsoldaten
Auf Grönland waren am Freitagabend Soldaten und weitere Militärangehörige aus europäischen Nato-Staaten um Deutschland eingetroffen. Das Bundeswehr-Team und seine Verbündeten sind für eine Erkundungsmission vor Ort und sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin Bedingungen für gemeinsame Militärübungen prüfen – das Ziel ist, für mehr Sicherheit zu sorgen. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Teams.
Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Das deutsche Team – 15 Männer und Frauen – besteht demnach aus Logistikern und Experten unterschiedlicher Bereiche. Die Erkundungsmission wird von Dänemark angeführt.
Das Nato-Gründungsmitglied Italien will dagegen keine Soldaten für die Erkundungsmission in Grönland abstellen. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach in Rom von einem „Witz“. Zugleich stellte die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor.
Crosetto, der Melonis Rechtspartei Fratelli d'Italia angehört, sagte zu der Erkundungsmission unter dänischer Leitung: „Ich frage mich, was sie dort tun sollen. Einen Ausflug machen? 15 Italiener, 15 Franzosen, 15 Deutsche: Das klingt für mich wie der Anfang eines Witzes. Ich bin dafür, eine Welt, die bereits zu sehr zersplittert ist, zu erweitern und nicht in Nationen aufzuteilen.“ Der Verteidigungsminister bezog sich in der Antwort auf die Frage eines Journalisten auf einen italienischen Witz. Die Erkundungsmission an sich bezeichnete er nicht als Witz.
Italiens Ministerpräsidentin Meloni, die sich derzeit in Japan aufhält, bezeichnete die Region in einem Vorwort für die Arktis-Strategie als „wichtig für das globale Gleichgewicht“. Italien wolle die Arktis als „Gebiet des Friedens, der Zusammenarbeit und des Wohlstands“, basierend auf den Grundlagen des Völkerrechts. Meloni pflegt zu Trump ein engeres Verhältnis als andere europäische Regierungschefs.
Dänemark lädt die USA zu gemeinsamen Übungen in Grönland ein
Die USA sind nach Angaben des Leiters des dänischen Arktis-Kommandos zu gemeinsamen Übungen in Grönland eingeladen worden. „Natürlich sind die USA als Teil der Nato hier eingeladen“, sagte Generalmajor Sören Andersen am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Andersen äußerte sich an Bord eines Schiffes der dänischen Marine im Hafen von Nuuk, der Hauptstadt Grönlands.
Er habe mit Vertretern der Nato-Verbündeten, darunter die USA, gesprochen und diese eingeladen „hierherzukommen“, fügte er hinzu. Die Übungen hingen damit zusammen, „was derzeit in der Ukraine passiert“, sagte Andersen.
„Wir sehen, wie Russland den Krieg in der Ukraine führt, und wenn der Krieg in der Ukraine beendet ist, hoffentlich mit einem für die Ukraine günstigen Ausgang, gehen wir davon aus, dass Russland die Ressourcen, die es derzeit in der Ukraine einsetzt, auf andere Einsatzgebiete, einschließlich der Arktis, verlagern wird.“ Bislang habe er jedoch „kein russisches oder chinesisches Kriegsschiff in der Region gesehen“.
In der grönländischen Hauptstadt Nuuk soll heute wie auch in Kopenhagen demonstriert werden. „Wir fordern die Achtung des Selbstbestimmungsrechts Grönlands und die Achtung des grönländischen Volkes. Dies ist nicht nur ein Kampf für Grönland, sondern auch für die ganze Welt“, sagt Poul Johannesen, Initiator der grönländischen Bürgerinitiative „Hände weg von Kalaallit Nunaat“. In der dänischen Hauptstadt soll es einen Protestzug unter dem Motto „Hände weg von Grönland“ zur US-Botschaft geben.
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