: Trabbi und Wartburg überleben
■ West-Berliner Uni und Ost-Berliner Abgasprüfstelle entwickeln den Kat für Zweitakt-Motoren Etwa 1,1 Millionen DDR-Autos könnten nachgerüstet werden / Kat soll 350 bis 500 Mark kosten
Berlin (taz) - Seit gestern können eine Million Trabbi- und Wartburg-Fahrer hinter ihrem Lenkrad aufatmen: Voraussichtlich brauchen ihre Autos mit Zweitakt-Antrieb nicht aus dem Verkehr gezogen zu werden - und dennoch würde die DDR-Luft deutlich besser. Denn für Zweitakter entwickeln die Westberliner Technische Universität und die Ostberliner Abgasprüfstelle der DDR gemeinsam einen Katalysator. Die Entwicklung eines Prototyps wird vom Umweltbundesamt (832.000 Mark), vom Westberliner Umweltsenat (358.000 Mark) und vom Ostberliner Magistrat (240.000 Mark) gefördert.
Ein Jahr lang sollen 16 Zweitakter (zwölf Trabant, drei Wartburg, ein Kleinbus Barka 1000) mit Kat im Straßenverkehr, vier weitere auf dem Prüfstand getestet werden. Ab circa Mitte nächsten Jahres könntendie etwa bierdosengroßen Kats auf den Markt kommen. Preis: Zwischen 350 und 500 Mark. Autos, die nicht älter als 10 Jahre sind, ließen sich nachrüsten (etwa 1,1 Millionen PKW). Die 2,5 Millionen DDR-Zweitakter produzieren jährlich 200.000 Tonnen Kohlenwasserstoffe, die 30 Millionen Viertakter der Bundesrepublik etwa 1.200.000 Tonnen.
Westberlins Umweltsenatorin Michaele Schreyer - „ich bin noch nie Trabant gefahren“ - glaubt, daß die Abgase der nachgerüsteten Autos bis zu 80 Prozent sinken werden. Beabsichtigte Steuersenkungen für Kat-Zweitakter sollen Trabbi-Fahrer zum nachträglichen Kat-Einbau verlocken.
Ostberlins Umweltstadtrat Holger Brandt sagte gestern in der Abgasprüfstelle, daß ein Kat zwar Schadstoffe reduziere, aber „keine Verkehrsprobleme“ löse. Die Umlandbürger Berlins müßten „durch Anreize zur Anreise mit dem Öffentlichen Nahverkehr“ gebracht werden. Ost-Berlin könne den ab 2.Juli erwarteten „motorisierten Einkaufstourismus“ nicht bewältigen. Ein Kat gebe den Bürgern allerdings die Chance, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und sichere in der Autoindustrie möglicherweise Arbeitsplätze.
Dirk Wildt
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