"Totalversager" verlinkt zum Präsidenten: Google-Bombe auf Obama

Einst landete man auf der Seite von George W. Bush, wenn man bei Google den englischen Begriff für "Totalversager" eingab. Nun wurde Barack Obama Opfer des Online-Scherzes.

Bushs Nachfolger - auch wenn's um Bomben geht: "Totalversager" Obama. Bild: dpa

Google-Bomben sind gemein: Mit ihnen ist es möglich, bestimmte Suchbegriffe mit Seiten zu verknüpfen, in denen sie gar nicht vorkommen. So traf es etwa lange Zeit den US-Präsidenten George W. Bush, dem das Wort "Totalversager" zugeordnet wurde. Doch Google-Bomben sind offenbar politisch nicht nur gegen die Konservativen gerichtet: Ende letzter Woche traf es nun auch den neuen US-Hoffnungsträger Barack Obama.

Kurzzeitig reichte die Eingabe von "failure" ("Versager") bei dem Suchmaschinenriesen aus, um auf die Obama-Homepage des Weißen Hauses zu gelangen. Ebenfalls "verbombt" und auf den neuen Präsidenten verbogen war der ironische Begriff "cheerful achievement" ("fröhlicher Erfolg"). Immerhin: Bushs berühmte Google-Bombe war härter, dem "failure" wurde noch ein "miserable" hinzugesellt ("elendiger Versager" bzw. eben "Totalversager").

Google-Bomben entstehen, indem möglichst viele Angebote Links unter einem bestimmten Begriff auf die Zielseite legen. So verlinkten 2004 etwa zahlreiche Angebote jenen "miserable failure" auf die Bush-Homepage. Zwar hat Google das Problem bereits 2007 mit einer Veränderung seines Suchalgorithmus weitgehend entschärft. Doch scheint das Problem immer noch auftreten zu können, wie das Obama-Beispiel zeigt. Wer hinter der Google-Bombe steckt, ist bislang noch unklar, Beobachter sehen den Ursprung aber in unpolitischen Spaßforen, nicht bei Obamas politischer Konkurrenz.

Während Google relativ schnell auf die Obama-Bombe reagierte, waren die Wettbewerber nicht ganz so schnell. Bei Yahoo war am Montag nach Eingabe von "miserable failure" noch immer die Biografie von George W. Bush oberstes Suchergebnis, direkt gefolgt von einem Link auf Obamas Seite, weil die Biografie Bushs Platz auf der Website des Weißen Hauses eingenommen hatte. Mancher Yahoo-Benutzer sah Obamas Namen sogar schon auf Platz 1 unter den "Totalversagern". Suchmaschinenexperte Danny Sullivan, der den Vorfall aufdeckte, gab an, er habe bereits Anfang Januar versucht, das Team des Präsidenten "auf vier oder fünf verschiedenen Wegen" zu erreichen, um das Problem noch vor dem Machtwechsel in Washington anzugehen. "Aufgrund der Weiterleitung, die Obamas Web-Team eingebaut hat, dürfte sich die vorderste Position mit der Zeit festigen. Etwas später dürfte sich das auch auf Microsofts Live-Internet-Angebot auswirken."

Allein beim Suchmaschinenmarktführer wurde inzwischen reagiert. Dort hatte man festgestellt, dass die alte Google-Bombe nach dem Machtwechsel kurzzeitig zurückgekehrt war und diesmal auf Obama zeigte. "Vor einigen Jahren haben wir einen Algorithmus entwickelt, der solche Google-Bomben entdecken kann, damit wir diese Scherz-Ergebnisse nicht von Hand herausnehmen müssen", vermeldete Google-Ingenieur Matt Cutts am Samstag im offiziellen Weblog des Konzerns. Allerdings laufe diese Software nicht ständig, weil es einige Rechenleistung benötige, um den gesamten Suchindex zu durchforsten. "Außerdem sind echte Google-Bomben ziemlich selten", so Cutts weiter. Es würde mehr über das Thema geschrieben als es Beispiele gebe. Nachdem man den Algorithmus dann trotzdem bemüht habe, seien die Obama-Google-Bomben aufgefallen. "Im Endergebnis heißt dass, das diese Suchergebnisse nun auf Diskussionen über Google-Bomben zeigen anstatt auf die Original-Seiten." Damit ist der Fall für den Internet-Konzern erledigt. Solange Google seine Erkennungsalgorithmen nicht ständig laufen lässt, ist also mit weiteren Google-Bomben zu rechnen.

Suchmaschinenexperte Danny Sullivan wünscht sich unterdessen mehr Aufmerksamkeit: Er wundert sich, warum das Team des neuen Präsidenten das Problem nicht vorab eingegrenzt hat. "Ich weiß, es gibt schwierigere Probleme, mit denen Obama zu kämpfen hat. Andererseits ist das doch angeblich eine Präsidentschaft mit IT-Erfahrung. Die sollte sich auch mit Suchmaschinenoptimierung auskennen." Tatsächlich könnte das Problem auch profanere Gründe haben: Aktuell kämpft die Online-Mannschaft des neuen Präsidenten laut einem Bericht der "Washington Post" mit der altertümlichen Technik, die Bush hinterließ. Waren die Obama-Mitarbeiter während der Kampagne moderne Mac-Rechner gewöhnt, müssen sie nun mit altertümlichen Windows XP-PCs Vorlieb nehmen. Auf die brandneue Obama-Website unter "whitehouse.gov" scheint sich das bereits auszuwirken: Das Angebot wurde in den ersten Tagen der Präsidentschaft kaum aktualisiert und bietet bislang weder aktuelle Bildergalerien noch Videos der Pressebriefings. Zu Bush-Zeiten gab's beides.

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