piwik no script img

Tötungs-Verbot in HühnerställenSchredderverbot für männliche Küken

Mit dem Jahreswechsel dürfen männliche Küken nicht mehr geschreddert oder vergast werden. Ein Verbot, das wenig ändert, kritisiert Foodwatch.

afp | Ab 2023 ist das Töten männlicher Küken von Legehennen in Deutschland verboten – was stattdessen mit den Tieren passiert, ist nach Angaben von Verbraucherschützern jedoch völlig unklar. „Fast neun Millionen männliche Küken sind in den ersten neun Monaten des Jahres in Deutschland geschlüpft – und niemand weiß oder will wissen, was mit den Tieren passiert“, erklärte der Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Chris Methmann, am Freitag.

„Selbst der Zentralverband der Geflügelindustrie kann über den Verbleib der Tiere nur spekulieren“, führte Methmann aus. „Auch die zuständigen Behörden wissen es nicht, entsprechende Kontrollen finden bisher offenbar nicht statt.“ Foodwatch habe Anhaltspunkte dafür gefunden, dass viele Betriebe männliche Küken ins Ausland transportieren – wo sie dann unter Umständen doch getötet werden.

Ab Januar dürfen die männlichen Küken in Deutschland nicht mehr geschreddert oder vergast werden, sondern werden entweder als sogenannte Bruderhähne aufgezogen oder durch Geschlechtsbestimmungsverfahren noch vor dem Schlüpfen aussortiert. Auf die Möglichkeit, dass die Bruderhähne zur Tötung ins Ausland transportiert werden könnten, hatte auch die Geflügelindustrie selbst hingewiesen und eine einheitliche europäische Regel gefordert.

Foodwatch kritisiert das Kükentötungsverbot auch grundsätzlich, denn es ändere nichts an den „unerträglichen Zuständen in deutschen Hühnerställen“. Die Bundesregierung „doktert nur an Symptomen eines kaputten Tierhaltungssystems herum, das möglichst billig möglichst viele Eier produzieren will“, erklärte Methmann. Vielmehr brauche es einen „wirklichen Systemumbau“ weg von der „tierquälerischen Hochleistungszucht“.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare