: Tod nach Russenpeitsche
Neues Wahrheit-Verbot: Sibirisches Eisradfahren
Seit vielen, vielen Jahren verbietet die Wahrheit nutzlose Rekordversuche. Dazu gehören das Umrunden von Kontinenten in ungeeigneten Verkehrsmitteln, das schwimmende Durchqueren irgendwelcher Gewässer, aber auch das Besteigen von Riesenbergen durch Lahme, Blinde und Bekloppte. Zuletzt hatten wir einem „mit Schild & Speer“ als Germane verkleideten Rekordirren verboten, den 750 Kilometer langen Limes-Wanderweg entlang zu latschen. Was wie immer zwecklos war. Aber vielleicht wird der neueste tragische Fall das Verbotsblatt ja wenden: „Sportler stirbt auf Weg zu einem der kältesten bewohnten Orte der Erde“, meldete die Ultra-Agentur dpa am Montag, die offenbar anders als der polnische Radfahrer Adam Borejko wusste, dass auf der Tour kein Segen lag: „Es war ein verrückter Plan.“ Borej-ko wollte nämlich „im Winter 900 Kilometer mit dem Fahrrad durch den kältesten Teil Sibiriens“. Ziel des Polen war das Dorf Oimjakon, wo schon einmal 67,8 Grad minus gemessen wurden. Jetzt wurde er tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Wenigstens im Warmen. Dem Extremisten die riskante Eistour zu verbieten, hätte jedoch auch nichts genutzt. Wir wissen schon, warum wir bei der gerade draußen knallenden Russenpeitsche nicht auf den eisigen Drahtesel steigen.
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