: Tiertransporte kontrollieren
■ Niedersachsen will schärfer durchgreifen / Erlaß zum Tierschutz
Die Berichte über grausige Umstände beim Transport von Schlachtvieh zeigen erste Ergebnisse, zumindest in Niedersachsen: Tiertransporte werden künftig in Niedersachsen schärfer kontrolliert. „Das Tierschutzgesetz soll ab sofort restrikiv ausgelegt werden“, sagte Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag in Hannover bei der Vorstellung eines Erlasses zum Schutz der Tiere. Transporte aus Niedersachsen sollen nur noch genehmigt werden, wenn unter anderem eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere während der Fahrt nachgewiesen wird, wenn die Tiere nicht zu dicht zusammengepfercht und wenn ausreichend Tränkegeschirre vorhanden sind.
Scharfe Kritik richtete Schröder an die Europäische Gemeinschaft. „Brüssel belohnt inhumanes und nicht tiergerechtes Verhalten“, sagte er zu einer Vorlage der EG-Kommission für Tiertransporte. Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) nannte das EG-Papier „zynisch“ und forderte die Bundesregierung auf, aktiv zu werden.
100.000 Pferde Richtung Frankreich
Über niedersächsische Straßen werden dem Ministerpräsidenten zufolge jährlich schätzungsweise allein 100.000 Pferde aus Osteuropa in Richtung Frankreich unter „teilweise schlimmen und unmöglichen Bedingungen“ transportiert. In der gesamten Bundesrepublik würden pro Jahr 370 000 Rinder zu Schlachthöfen und Verladestationen gebracht.
Nicht tiergerechte Transporte werden in Niedersachsen bislang nach Angaben Schröders in fast allen Fällen als Ordnungswidrigkeit behandelt und mit einem Bußgeld belegt. Er sprach sich dafür aus, unvertretbare Transportbedingungen als „kriminelles Verhalten“ zu ahnden. Zur Zeit sei es nach Auffassung von Juristen jedoch schwierig, solche Transporte zu beschlagnahmen und die Tiere auf Kosten des Spediteurs unterzubringen. Schröder forderte die Bevölkerung auf, weiterhin zur Aufdeckung der tierquälerischen Transporte beizutragen. Auf Nachfragen verwies Schröder auf eine besondere Beraterin in Sachen Tierschutz: seine Frau Hiltrud. „Das Engagement meiner Frau hat sicher damit zu tun, daß ich mich mit diesem Problem besonders beschäftige“, sagte Schröder und verwies darauf, daß seine Familie kaum Fleisch esse. dpa
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