: Thüringer SPD empört über Verteidiger Schily
Altenberg/Hamburg (dpa) — Der SPD-Bundestagsabgeordnete Otto Schily bleibt unter Beschuß aus der eigenen Partei: Die Thüringer SPD wandte sich auf ihrem Parteitag am Samstag in Altenburg mit „Befremden und Empörung“ gegen Schilys Rolle als Verteidiger des ehemaligen Dresdner Oberbürgermeisters Wolfgang Berghofer. Dieser ist wegen Wahlfälschung angeklagt.
Die Kritik richtet sich gegen folgende Argumentation Schilys: Ergebnisse eines undemokratischen, nicht als Wahl qualifizierten Abstimmungsverfahrens können nicht gefälscht werden. Damit beleidige Schily zahlreiche mutige Bürger der ehemaligen DDR, heißt es in der Erklärung der SPD-Thüringen. Diese hätten im Rahmen der bestehenden Wahlordnung unter ständiger Gefahr und Bedrohung ihre Stimme gegen das SED-System abgegeben.
Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Martin Hirsch (SPD) übte am Wochenende seinerseits Kritik an den Protesten sächsischer Sozialdemokraten gegen Schily. Diese SPD-Politiker hätten „offenbar noch nicht begriffen, daß sie in einem Rechtsstaat leben“, schrieb Hirsch in einem Beitrag für die in Dresden erscheinende „Morgenpost am Sonntag“. Es sei allein Sache des Anwalts, wie er einen Prozeß führe, „nicht Sache von Politikern, wie sie ihn zu führen wünschen“.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen