Thüringens Minister Zeh über Wahlkampf: "Unser Plan heißt Althaus"

Ein Gutachten legt nahe, dass ein Fahrfehler Ursache des Skiunglücks von Dieter Althaus war. Staatskanzleichef Zeh setzt im Wahlkampf dennoch auf Thüringens Ministerpräsident.

"Kein Politiker hat ihn seit dem Neujahrstag gesprochen": Dieter Althaus wird abgeschirmt. Bild: dpa

taz: Herr Zeh, ein Gutachten zum Skiunfall besagt, Ministerpräsident Althaus habe einen Fahrfehler begangen, indem er auf eine fremde Piste einbog. Was bedeutet das für die Landesregierung Thüringens?

Klaus Zeh: Das Gutachten liegt mir noch nicht vor. Aber ich bin weiterhin der Meinung, dass es ein tragischer Unfall war. Für mich hat sich in der Bewertung des Vorgangs nichts geändert.

Sie gehen davon aus, dass die Thüringer CDU mit Althaus in den Wahlkampf ziehen kann?

Ja.

Sie halten im Moment mit Finanzministerin Diezel das Regierungskabinett zusammen. Ist Althaus ersetzbar?

Wir hoffen alle, dass Dieter Althaus so schnell wie möglich zurückkehrt. Auch wenn die Mannschaft Kurs hält: Wenn der Kapitän mal von der Brücke geht, braucht sie ihn wieder, um gut im Hafen zu landen. Dieter Althaus ist weniger ein Pragmatiker, sondern mehr ein an Grundwerten orientierter Mensch. Deshalb können wir im Kabinett gut nach ordnungspolitischen Gesichtspunkten in seinem Sinn entscheiden. Die Sitzungen dauern dennoch länger als früher.

Lauert in der Thüringer Union wirklich niemand, der ihn schlimmstenfalls ablösen könnte - und wollte?

In Menschen kann man zwar nicht hineinsehen. Aber es gibt wirklich keine andere Planung. Unser Plan heißt Althaus. Das wollen alle.

Ein Vabanquespiel - alles oder nichts?

Nein. Die Bürger sollen gerade im Wahljahr selbstverständlich erkennen, dass hinter Althaus auch eine Mannschaft steht, die gut arbeitet.

Warum wird der Regierungschef in der Rehabilitation am Bodensee so abgeschirmt? Will man sich alle Möglichkeiten offenhalten, sollte ihn die Staatsanwaltschaft tatsächlich zur Verantwortung ziehen?

Wir schirmen ihn überhaupt nicht ab, sondern die Ärzte, und das nicht aus strategischen Gründen. Als ein drangvoller Mensch würde Dieter Althaus sonst versuchen, von Allensbach aus entgegen den Empfehlungen der Ärzte Regierungsgeschäfte zu tätigen. Die Ruhe fällt ihm schwer. Kein Politiker hat ihn seit dem Neujahrstag gesprochen.

Wenn Althaus zurückkehrt, muss er doch im doppelten Sinne rehabilitiert sein - gesundheitlich wie juristisch.

Natürlich muss er gut genesen sein, denn wenn er wieder antritt, muss er zu 150 Prozent belastbar sein. Wir wissen nicht, wie das Ermittlungsverfahren ausgeht. Meines Wissens wird zwar in Österreich bei einem Todesfall in der Regel vor Gericht verhandelt. Ich persönlich gehe aber nicht von Schuld aus, sondern von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Wer Skifahrer ist, weiß, dass es auf der Piste keine starren Verkehrsregeln gibt. Ich kenne Dieter Althaus als umsichtigen Skifahrer.

Der Innenminister hat einen "Schmäherlass" herausgegeben. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein Hinweis an das Landeskriminalamt und die Polizeidirektionen auf strafrechtlich relevante Hasstiraden gegen Althaus im Internet. Es gibt Morddrohungen und üble Beschimpfungen. "Wir kriegen dich!", schreibt beispielsweise eine "RAF II". Das ist mehr als ein Dummejungenstreich.

Trotz schlechter Umfragewerte hat die CDU Thüringen jetzt ein vor Selbstbewusstsein strotzendes Programm verabschiedet. Kann nach 19 Jahren Regierungsverantwortung der Wechsel nicht doch ein Wert an sich in der Demokratie sein?

Die Partei hat sich in der Landtagsfraktion und in der Regierung verjüngt. Und bei den personellen Alternativen, vor allem beim linken Spitzenkandidaten Bodo Ramelow, wird mir Angst um Thüringen. Umfragen beunruhigen mich nicht.

Schlägt der massive Wahlkampfeinsatz von Exministerpräsident Bernhard Vogel absehbar zu Buche?

Vogel ist noch immer eine Vaterfigur in Thüringen. Er wird wie 2004 als Elder Statesman seinen Nachfolger unterstützen.

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