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Theaterterroristen

■ Bader-Ehnert-Kommando in den Zerbrochenen Fenstern: „Schneesucher“

„Los, es geht weiter. Schneller! Keine Privatgespräche jetzt mehr. Schnauze! Können wir ein bißchen Konzentration haben? Ich bin bewaffnet!“ Der Ton im Theater wird rauher. Erst machte die Gruppe „Kadaverterror“ ihre Zuschauer zu Terroropfern und Sterbehelfern. Und jetzt treibt das Bader-Ehnert-Kommando das Publikum vom Pausenbier direkt vor die Mündung einer intergalaktischen Pistole.

Jeder gute Terrorist hat eine Botschaft. Von Theater zu Theater lauten sie sehr verschieden und ähneln sich doch. „Es hat keinen Sinn, Kinder!“ rufen die Kadaverterroristen. Und Kristian Bader und Michael Ehnert verlangen nicht weniger, als daß die Welt gerettet werde. Die einen plädieren für den Tod. Die anderen wollen anders leben. Und beide Gruppen haben den irritierend altmodischen Glauben, daß das Theater seine Zuschauer verändern kann.

„Der Erfolg eines Stückes hängt in erster Linie davon ab, ob und wieviel auf der Bühne geschossen wird“, weiß Michael Ehnert. In „Die Schneesucher – Lethal Weather“ wird kräftig liquidiert, sogar die Hölle muß am Ende dran glauben. Der Holländer Fred van't Water muß mit seinem Wintersportgeschäft Konkurs anmelden, weil schon seit Jahren keine Schneeflocke mehr vom Himmel gefallen ist. Fred ist kein guter Buchhalter und will deshalb einen Liquidator engagieren. Leider erwischt er statt des Konkursverwalters eine Killeragentur oberhalb des Pferdekopfnebels, und im nächsten Moment hat er einen intergalaktischen Liquidationsroboter auf dem Hals.

Munter beamen sich die beiden um die Welt, fallen einem türkischen Bauern in die Gemüsesuppe und einem Wüstenbewohner von Burkina Faso auf die Nerven, geraten in ein Verkehrschaos auf der Yorckstraße und legen sich mit dem Teufel selbst an. Dabei beobachten sie sämtliche gegenwärtigen und zu erwartenden Umweltkatastrophen, von Autowahn und Abholzung des Regenwaldes bis zur globalen Klimaveränderung. Hier wird die Grenze zum Belehrungskabarett leider oft überschritten, ein paar Kürzungen täten dem Stück gut.

Nach der Pause aber zieht das Tempo kräftig an. Kristian Baders Fred ist unwiderstehlich mit seinen hängenden Schultern, den fahrigen Gesten und dem glucksend-ungläubigen Lachen. Als Roboter verzieht Michael Ehnert, der am Münchner Residenztheater engagiert ist, keine Miene. Als Angela Merkel grinst er unbeschreiblich halbschlau hinter Hasenzähnen hervor. Im Bader-Ehnert-Kommando haben sich zwei hochbegabte Komiker gefunden.

Pünktlich zum Weltklimagipfel 1995 wollen sie eine Fortsetzung zu ihrem Stück liefern. Schon jetzt verläßt kein Zuschauer den Raum ohne einen speziellen Auftrag: „Schaff das Auto ab und schreibe jedem, der eine Dose kauft, mit dickem Filzstift ,Schwachkopf‘ auf die Stirn.“ Miriam Hoffmeyer

Bis 23.1., 20 Uhr im Theater Zerbrochene Fenster, Schwiebusser Straße 16, Kreuzberg.

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