piwik no script img

Teuflische Lesarten zur Polizeistatistik

■ Niedersächsischer Grüner rammt Innenminister die Hörner in den...

Auf die richtige Lesart kommt es an, und der Teufel in der Interpretation der polizeilichen Kriminalstatistik zeigt jetzt auch in Niedersachsen seine Hörner. Zu spüren bekommt sie derzeit Innenminister Glogowski (SPD).

Gegen den Minister läuft eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Natürlich ist diese Anzeige in der letzten polizeilichen Kriminalstatistik aufgenommen. Die Aussage, 100 Prozent der niedersächsischen Innenminister sei kriminell, lasse sich durch diese Statistik aber trotzdem nicht stützen. Zu dieser tröstlichen Einschätzung kam gestern der grüne Landtagsabgeordnete Hannes Kempmann. Sinn der Sophisterei: Glogoswskis Behauptung, jeder zweite Rumäne in Deutschland sei laut Statistik kriminell, treffe ins Leere.

Dagegen werde durch solche Aussagen die Pogromstimmung in der Bevölkerung geschürt, erklärte Kempmann, und forderte den Minister auf, bei seinen Urteilen zu differenzieren. Die Zahl der Anzeigen und die Zahl der tatsächlich Verurteilten klaffe weit auseinander. Die Zahl der Gewaltverbrecher sei in der einheimischen Bevölkerung sogar größer. taz

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen