Terrorismus in Indien: Anschlag auf Hippie-Zentrum

Gerade sollten die Friedensverhandlungen mit Pakistan wieder aufgenommen werden. Jetzt starben bei einem Bombenanschlag auf ein deutsches Café im indischen Pune mindestens neun Menschen.

Die "German Bakery" in Pune befindet sich in der Nähe des Ashrams Osho, einem Hippie-Zentrum. Bild: reuters

NEU DHELI taz | Eine Bombe in der westindischen Industriestadt Pune hat am Samstag neun Menschen getötet und 60 verletzt und könnte die Wiederaufnahme der indisch-pakistanischen Gespräche gefährden. Zudem droht das Attentat zu Verstimmungen zwischen Indien und dem Westen über Pakistan und Afghanistan zu führen.

Es ist der erste Anschlag in Indien seit der Bombenserie auf das Finanzviertel von Mumbai, die am 26. November 2008 insgesamt 166 Menschenleben forderte. Die Handschrift der Täter ähnelt der von Mumbai. Die indische Regierung sprach von einem "Terrorakt". Die Ermittlungsergebnisse deuteten "auf ein sorgfältig geplantes Verbrechen", sagte der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram, wollte aber noch keine konkreten Verdächtigen nennen.

Tatort war die "Deutsche Bäckerei" in Pune, die zu den bei westlichen Ausländern beliebtesten Cafés der Stadt zählt. Die Bombe ging am Samstagabend um 19.30 Uhr zur besten Geschäftszeit hoch. Die Bäckerei war voller Gäste. Sie hatten ein rot-blaues Paket unter einem Tisch nicht bemerkt. Ein Café-Angestellter versuchte, es zu öffnen. Im nächsten Moment war laut Augenzeugenberichten von dem kleinen Café aus Wellblech und dünnen Holzwänden nicht mehr viel übrig. Unter den Todesopfern befanden sich auch eine italienische Bhagwan-Anhängerin und eine iranische Studentin. Ein Deutscher wurde verletzt.

Vieles deutet auf einen Zusammenhang zwischen den Attentaten in Pune und Mumbai. Schon in Mumbai hatte das Ausländercafé der Stadt, das Leopold-Café, zu den Zielscheiben der Attentäter gezählt. Und erst vor acht Tagen hatte die pakistanische Terror-Bewegung LET (Lashkar-e-Taiba), die für die Anschläge in Mumbai verantwortlich gemacht wird, neben Delhi und Mumbai ausdrücklich Pune zum möglichen Abgriffsziel erklärt. Die indische Polizei verwies zudem auf Besuche des kürzlich in den USA verhafteten mutmaßlichen LET-Mitglieds David Headley in Pune. Headley, ein pakistanischstämmiger US-Bürger, wird von den indischen Behörden verdächtigt, die Ziele der Mumbai-Attentäter ausgekundschaftet zu haben. Das hat er nun möglicherweise auch in Pune getan, wo er in einem Hotel nur wenige Meter vom Tatort entfernt übernachtete. Direkt neben der Deutschen Bäckerei in Pune gibt es außerdem ein jüdisches Kulturzentrum ähnlich jenem, das in Mumbai von den Terroristen angegriffen wurde.

Indiens hindu-nationalistische Opposition forderte nach dem Attentat ein weiteres Aussetzen der Gespräche zwischen Indien und Pakistan, die nach den Anschlägen in Mumbai von indischer Seite abgebrochen wurden. Ihre Wiederaufnahme ist - auch auf Druck des Westens - für den 25. Februar geplant. Indien aber sieht die stärkere Zusammenarbeit des Westens mit Pakistan und den afghanischen Taliban skeptisch. Denn sie könne laut Delhi Terrorgruppen wie die LET stärken, deren Ziel der Anschluss des indischen Kaschmirs an Pakistan sei.

Diesmal wählten die Attentäter einen Ort, der mit Deutschland verknüpft ist. Eine Straße hinter der Deutschen Bäckerei steht das lokale Goethe-Institut, das nicht selten die gleiche Kundschaft hat wie die Deutsche Bäckerei. Und gegenüber liegt der wichtigste Tempel der Bhagwan-Anhänger mit ihren langen Roben, zu dem immer noch besonders viele Deutsche pilgern.

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