: Tausend an der Wümme evakuiert
■ Güterzug mit giftigen hochexplosiven Chemikalien entgleiste im Bahnhof der Stadt Rotenburg mit 21 Waggons / Heftige Kritik an der Bundesbahn / Bevölkerung im Rathaus untergebracht
Rotenburg (ap) - Nach einem schweren Zugunglück im Bahnhof der nordniedersächsischen Kreisstadt Rotenburg an der Wümme ist ein Teil der Stadt am Sonntag für die Dauer der Bergungsarbeiten evakuiert worden. Rund 1.000 Menschen mußten wegen Explosionsgefahr für etwa acht Stunden ihre in Bahnhofsnähe gelegenen Wohnungen verlassen. Bei dem Unglück waren am Samstag abend nach Angaben der Bundesbahn 21 Waggons eines Güterzugs entgleist, darunter drei Tankwagen mit Resten giftiger und hochexplosiver Chemikalien. Nach der erst im zweiten Anlauf geglückten Bergung wurde deutliche Kritik an der Bundesbahn laut.
Am späten Sonntag nachmittag wurde in Rotenburg Entwarnung gegeben, nachdem es gelungen war, die drei ineinander verkeilten Chemietankwagen zu heben und abzutransportieren. Erst als die Bahn den Kran einer Privatfirma einsetzte, konnten die Kesselwagen gehoben werden. Zunächst hatte die Bahn versucht, die verunglückten Wagen mit eigenem Gerät zu heben. Rund acht Stunden mußten deshalb die am Morgen um 8.00 Uhr Evakuierten ihren Wohnungen fernbleiben.
Rund 300 Menschen hatten im Rathaus der Stadt in Sälen und auf Fluren Unterschlupf gefunden. Sie wurden vom Roten Kreuz mit Erbsensuppe bei Laune gehalten oder vertrieben sich ihre Zeit in der eigens geöffneten Stadtbücherei. 700 Bewohner der Stadt fanden bei Freunden und Verwandten eine vorübergehende Bleibe.
Der erste Bergungsversuch am Sonntag vormittag war an der mangelnden Tragkraft des bahneigenen Krans gescheitert, weil sich die Waggons nach Auskunft eines Polizeisprechers „wie eine Ziehharmonika“ ineinander verkeilten. Die Wagen enthielten Reste der Chemikalien Propylenoxid und Toluylendiisocyanat. Oberkreisdirektor Gerhard Blume teilte am Sonntag mittag mit, es sei bei dem Unfall kein Gift ausgetreten, wie zunächst angegeben worden war.
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