: Stunden der Wahrheit oder Wahrheit stunden?
Wer nicht wie Günter Grass am Buß- und Bettag Roß und Reiter nennt, keine Konsequenz einfordert für politisches Versagen, wer jetzt nicht die Regierung an ihren Amtseid erinnert, wer nun nicht den Schaden einklagt bei jenem letzten Kanzler, der schwor, das deutsche Volk vor dem zu bewahren, was nun eingetreten ist, der stellt sich in eine Reihe mit Scheindemokraten und jenen Skinheads, die in ihren Stunden der Wahrheit durchbrennen, wie die Brandstifter von Mölln, wie jene von gestern und von vorgestern.
Alle, die nun ihre Hände nicht mehr richtig zu bewegen wissen oder wagen, sollten wenigstens ihre Füße aus den Schutzstiefeln ziehen, damit nicht auf der Straße zurückgetreten wird, sondern ausschließlich und vielmehr im Bundestag. Wer nun schizophrene Parallelen zieht zu Weimar, nur um Bonn als Nonplusultra darzustellen, der möge sich an die Möglichkeit moralischer Parallelen erinnern, so ihn nicht die Selbstverblendung hindert. Nicht die Geschichte, die Taten, die Täter wiederholen sich. Dies nicht vereitelt, aber vertuscht zu haben, lautet der Vorwurf an diese guten Damen und Herren Sicherheits-Demokraten. Ed Shah, Berlin
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen