Studie zu ermordeten Umweltschützern: Wo die Welt nicht hinsieht

Hunderte Menschen sterben jährlich gewaltsam, weil sie sich für Naturschutz einsetzen. Zwei Drittel davon allein in Lateinamerika.

Portrait einer Frau, Isela Gonzalez Diaz

Arbeitet unter großer Gefahr: Die mexikanische Umweltschützerin Isela Gonzalez Diaz Foto: Thom Pierce/Guardian/Global Witness/UN Environment/dpa

212 Umweltschützer*innen sind im vergangenen Jahr weltweit umgebracht worden, weil sie sich gegen Bergwerke, Abholzung, gegen Wasserkraftwerke oder Großfarmen gewehrt haben. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Nichtregierungsorganisation Global Witness hervor. Zwei Drittel der Morde geschahen in Lateinamerika, allein in Kolumbien wurden 64 Menschen getötet. Auf den Philippinen kamen 43 Umweltschützer*innen gewaltsam ums Leben. Das sind laut Global Witness mehr registrierte Morde als je zuvor – und vermutlich immer noch nicht alle, weil manche vertuscht werden oder nicht angezeigt wurden.

Die Betroffenen stehen in der Regel einem Netz aus Unternehmen, Großgrundbesitzer*innen und staatlichen Sicherheitsorganen gegenüber, womöglich noch unterstützt von paramilitärischen Gruppen und gedeckt von der politischen Klasse ihrer Länder. Sie alle haben ein Ziel: die Aufrechterhaltung eines Profitmodells, das auf dem Extraktivismus beruht. Also der maximalen Ausplünderung natürlicher Ressourcen.

Die meisten Morde stehen im Zusammenhang mit Bergbau (50), gefolgt von Landwirtschaft (34) und Forstwirtschaft (24). „Viele der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen haben mit der Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen sowie Korruption in Politik und Wirtschaft zu tun“, sagt Rachel Cox von Global Witness. „Umweltschützer sind jene, die dagegen aufstehen.“

Wo diese Konflikte sich abspielen, ist die Weltöffentlichkeit in der Regel abwesend. Dabei geht es um Rohstoffe, die überall gebraucht werden – von bestimmten Metallen über Energie bis zu Lebens- oder Futtermitteln. Der Konsum der einen und das Geschäft, das damit zu machen ist, zerstört die Lebensgrundlage der anderen.

Selbst linke Regierungen in Lateinamerika haben es nicht geschafft, aus diesem zerstörerischen Wirtschaftsmodell auszusteigen – sie haben bestenfalls die Erlöse für Sozialprogramme verwendet. Ecuador zur Regierungszeit von Präsident Rafael Correa etwa proklamierte zwar ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell im Einklang mit der Natur, in Wirklichkeit aber ging die Ausbeutung weiter und Umweltschützer*innen wurden staatlich kriminalisiert.

Die jährlich steigende Zahl der Ermordeten ist Kollateralschaden eines schon lange nicht mehr tragbaren Modells. Für niemanden.

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