Studie zu Waffenverkäufen

Rüstungsindustrie boomt

Weltweit steigt der Umsatz von Konzernen, die Waffen und Kriegsgerät produzieren. In Deutschland aber schrumpfen die Verkäufe. Warum?

Menschen halten Schilder mit Panzersymbolen in die Höhe

Proteste gegen Waffenhandel vor dem Reichstagsgebäude in Berlin im Februar 2014 Foto: Christian Mang

BERLIN taz | Die weltweit 100 größten Rüstungsunternehmen haben ihre Verkäufe 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent gesteigert, berichtet das Friedensforschungsinstitut Sipri. Während vor allem amerikanische Unternehmen zum Plus beitrugen, sanken die Gesamtumsätze der vier gelisteten deutschen Rüstungshersteller jedoch um satte 3,8 Prozent.

420 Milliarden US-Dollar Umsatz erwirtschafteten die 100 größten Rüstungsunternehmen im letzten Jahr – nicht berücksichtigt wurden dabei allerdings chinesische Firmen, für sie sind schlicht keine verlässlichen Zahlen bekannt. Europa ist mit 27 Unternehmen vertreten, die ihren Umsatz um 0,7 Prozent auf 102 Milliarden Dollar leicht steigern konnten.

Davon verkauften die vier gelisteten deutschen Unternehmen Rheinmetall, ThyssenKrupp, Krauss-Maffei Wegmann und Hensoldt, Rüstungsgüter und militärische Dienstleistungen im Wert von 8,4 Milliarden Dollar (nach aktuellem Wechselkurs rund 7,6 Milliarden Euro). Der größte deutsche Waffenkonzern Rheinmetall konnte seinen Umsatz auch dank großzügiger Bundeswehr-Aufträge um 4,1 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar steigern. Im internationalen Ranking der Top-100-Unternehmen belegt die Düsseldorfer Rüstungsfirma nun Platz 22.

Deutlich schlechter steht es dagegen um ThyssenKrupp. Dessen Umsatz im Rüstungssegment brach 2018 nahezu um ein Fünftel ein. Lediglich 3,3 Prozent oder 1,7 Milliarden Dollar des Gesamtumsatzes entfielen damit 2018 auf das Rüstungsgeschäft. Auch bei Krauss-Maffei Wegman ging der Umsatz deutlich zurück (-4,9 Prozent).

Die Waffenproduzenten sorgen sich

Geht es der deutschen Rüstungsindustrie also schlecht? Nicht unbedingt: Zu den negativen Zahlen bei ThyssenKrupp trage unter anderem bei, dass die Firma viele Schiffe produziere, erklärt Sipri-Experte Pieter D. Wezeman. „Vor allem aufgrund der langen Produktionszyklen kann es zu Schwankungen kommen.“ Für die kommenden Jahre rechne er mit besseren Zahlen.

Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie – einer Lobbyorganisation der Waffenbauer –, reagiert trotzdem mit Sorge auf die veröffentlichten Zahlen: „Die Entwicklung in Deutschland hin zu immer restriktiveren Ausfuhrbestimmungen bei Rüstungsexporten gibt Anlass zur Besorgnis“. Die Bundesrepublik habe ohnehin mit die strengsten Regelungen für den Export. „Die Auswirkungen werden durch die veröffentlichten Zahlen deutlich“, so Atzpodien weiter.

„Rosige Zeiten“ für die Rüstungsindustrie sieht indes Alexander Lurz von Greenpeace bevorstehen. „Der Verteidigungshaushalt der Bundesregierung steigt weiter und die Nato rüstet auf“, beschreibt er die Lage auf dem Rüstungsmarkt. Der Experte für Frieden und Abrüstung mahnt gleichzeitig vor der zunehmenden Aufrüstung: „Es ist erschreckend, dass der Umsatz weltweit deutlich gewachsen ist. In Zeiten von steigendem Nationalismus verschärft sich so die sicherheitspolitische Lage weiter“.

Um die Gefahren einzudämmen, fordert er ein Exportverbot von Rüstungsgütern in Drittländer und eine Reduzierung der deutschen Rüstungsausgaben. Von einer Reduktion der Ausgaben ist man in Berlin allerdings weit entfernt: In den kommenden Jahren sollen die Rüstungsausgaben weiter steigen. 50 Milliarden Dollar wird für Rüstung aufgewendet. Aktuell sind das rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukt. Bis 2024 soll laut Nato-Vereinbarung der Anteil auf 2 Prozent gesteigert werden – rosige Aussichten für die Rüstungsindustrie.

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