Studie zu Abtreibungsfolgen

Positive Nebenwirkungen

Gesundheitsminister Spahn will psychische Spätfolgen von Abtreibungen untersuchen lassen. Immerhin könnte die Studie Versorgungslücken feststellen.

DemonstrantInnen mit Transparenten

Demo für das Recht auf Abtreibung Foto: dpa

Öffentlicher Druck wirkt. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang des Jahres angekündigt hatte, eine Studie zu „seelischen Folgen“ von Schwangerschaftsabbrüchen auf den Weg bringen zu wollen, war ein Sturm der Entrüstung losgebrochen.

Als „Wahnsinn“ hatte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, Maria Noichl, das Vorhaben bezeichnet, „empörend“ hatte es die SPD-Linke Hilde Mattheis genannt. Die Bundesregierung, so fand auch die Opposition, verfalle mit dieser einseitig angelegten und wissenschaftlich irrelevanten Studie der Argumentation von AbtreibungsgegnerInnen, die behaupten, Frauen würden von Schwangerschaftsabbrüchen Depressionen bekommen.

Nun geht die Studie zwar noch immer von der Annahme aus, eine ungewollte Schwangerschaft bringe Frauen grundsätzlich in eine „schwere psychosoziale Notlage“, wie es im Ausschreibungstext heißt. In einigen Jahren werden die ForscherInnen zum wiederholten Mal feststellen, dass „psychische Störungen“ und Schwangerschaftsabbrüche keineswegs Hand in Hand gehen.

Doch immerhin wurde das Vorhaben zugleich so erweitert, dass es auch Daten liefern kann, die bislang auch ÄrztInnen und Frauengesundheitsorganisationen fehlen. Vor allem die geplante vollständige bundesweite Bestandsaufnahme der medizinischen Versorgungssituation zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs könnte in dieser Hinsicht eklatante Wissenslücken schließen.

In welchen Städten und Regionen nehmen wie viele ÄrztInnen überhaupt noch Schwangerschaftsabbrüche vor? Und woran liegt es, dass in einigen Regionen eine derart große Versorgungslücke entstanden ist, dass Frauen im Umkreis von 100 Kilometern keine ÄrztIn mehr finden, der oder die einen Abbruch macht? Bisher nahmen MinisterInnen schon den Begriff der „Versorgungslücke“ nur höchst ungern in den Mund. Und deren Ausmaße auch noch wissenschaftlich zu untersuchen, stand bislang überhaupt nicht zur Debatte.

Zwar fordern ExpertInnen bereits zu Recht, den Ablauf der Studie im Auge zu behalten – um weiteren Einfluss von Lobbygruppen wie AbtreibungsgegnerInnen zu verhindern. Doch ist dies der Fall, könnte die Studie dabei helfen, die Versorgungslage im Fall einer ungewollten Schwangerschaft künftig deutlich zu verbessern.

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Jahrgang 1979, ist seit 2012 bei der taz. Sie war Chefin vom Dienst in der Berlinredaktion, hat die Seite Eins gemacht und arbeitet jetzt als Genderredakteurin im Inland.

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