Stromleitung Nordlink nimmt Betrieb auf: Grüne Kabel gegen die Dunkelflaute

Die Stromleitung Nordlink zwischen Deutschland und Norwegen ist nun in Betrieb. Profitieren sollen Umwelt und Ver­brau­che­r*in­nen zugleich.

Ein Techniker schaut auf die Konverteranlage von NordLink

Konverteranlage in Wilster: Norwegischer Gleichstrom wird in Wechselstrom umgewandelt Foto: Axel Heimken/dpa

RENDSBURG taz | Strom aus Windrädern fließt nach Norwegen, Energie aus Wasserkraft nach Deutschland: Über 620 Kilometer, darunter 516 unter der Nordsee, befördert das Kabel Nordlink Ökostrom zwischen den beiden Ländern. Anders als bei vielen anderen Energie-Großprojekten gab es an dem Bau kaum Kritik. Das „grüne Kabel“ wird nicht nur die Stromversorgung, sondern auch die Strommärkte verändern.

Anders als bei vielen anderen Energie-Großprojekten gab es an dem Bau kaum Kritik

In Wilster an der schleswig-holsteinischen Westküste endet die Direktleitung, die im norwegischen Tonstad am Vollesfjord beginnt. Seit Ende 2020 fließt Strom im Probebetrieb durch eines der längsten Seekabel der Welt, am Donnerstag wurde die Leitung offiziell eröffnet.

Das Betreiber-Konsortium, hinter dem die Netzunternehmen Statnett und Tennet sowie auf deutscher Seite die KfW-Bank stehen, feierte den „historischen Tag für die Energiewende“ und hatte Polit-Prominenz aus beiden Ländern zum Gratulieren eingeladen: „Großartig, ein wichtiger Schritt“, freute sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg mahnte mit Blick auf die europäischen Klimaziele: „Es ist nicht mehr lange bis 2030, wir müssen die Transformation in kurzer Zeit schaffen.“

Ihre deutsche Amtskollegin Angela Merkel (CDU) wies auf die europäische Bedeutung des Projekts hin und nannte einen Vorteil für die Verbraucher*innen: „Die direkte Strombrücke trägt zur Stabilisierung der Preise für erneuerbare Energie bei.“ Allerdings könne Nordlink „seine ganze Kraft erst entfalten, wenn es auch nach Süden verbunden ist“, betonte Merkel.

Doch da hapert es – gegen den Ausbau der Energieautobahn Südlink, aber auch gegen regionale Leitungen gibt es seit Jahren Proteste. Das war bei Nordlink in der rund fünfjährigen Bauphase nicht der Fall: Selbst Umweltschutzverbände hatten keine Einwände, dass das Kabel durch das Watt und den Nationalpark Nordsee führt. Bei der Einweihungsfeier lobte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Phi­lipp Albrecht (Grüne): „Nordlink ist ein Beispiel dafür, dass man Klimaschutz und Naturschutz zusammendenken kann.“

Netzbetreiber planen weitere Projekte

Die Leitung kann 1.400 Megawatt transportieren, das entspricht laut Tennet einem großen Kraftwerk oder dem Energieverbrauch von 3,6 Millionen Haushalten in einem Jahr. Mithilfe des technisch aufwendigen Projekts, dessen Bau 1,8 Milliarden Euro kostete, soll Strom dorthin gelangen, wo er gebraucht wird und wo er den besseren Preis erzielt. Künftig sollen Rotoren bei Windüberschuss nicht mehr zwangsabgeregelt werden.

Wenn in Deutschland „Dunkelflaute“ herrscht, also kein Wind weht und keine Sonne scheint, springen norwegische Wasserkraftwerke an. Das schaffe Sicherheit, etwa für Betriebe, die auf stetige Energiezufuhr angewiesen sind, so Altmaier. Sein Kieler Kollege Albrecht hofft nun, „dass auch andere Bundesländer motiviert rangehen und politische Verantwortung übernehmen.“

Die Netzbetreiber planen schon die nächsten Projekte: Statt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen könnte es künstliche „Energieinseln“ in der Nordsee geben, über die Strom zwischen mehreren Ländern hin- und hertransportiert wird.

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