Streit der Woche: Geht Kita-Streik zu weit?
Seit Mai sind Kitas in ganz Deutschland dicht. Jetzts reicht es mal, findet Familienministerin von der Leyen. "Zurück an den Verhandlungstisch!"
Berlin taz | Der seit Mai andauernde Kita-Streik geht nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu weit. "Niemand hat das Recht, sich jetzt in den Schmollwinkel zurückzuziehen, während tausende Eltern streikbedingt von einem Betreuungsnotstand in den nächsten schlittern", schreibt sie im "Streit der Woche" in der sonntaz. Wenn versucht werde, über die Not der Eltern Druck aufzubauen, gäbe es am Ende nur Verlierer. "Also, zurück an den Verhandlungstisch!"
Ver.di-Verhandlungsführer Achim Meerkamp wirft dagegen den kommunalen Arbeitgebern vor, Problemlösungen zu verweigern. Es gehe zu weit, wenn Bürgermeister, die mangelnde Bildungsarbeit beklagten, "keinen Finger krumm machen zur Lösung des Problems", schreibt Meerkamp in der sonntaz. Die Arbeitgeber würden sich "im Sessel zurücklehnen und abwarten in der Hoffnung, die Eltern würden schon irgendwann vor lauter Not auf die Erzieherinnen losgehen".
Seit Mitte Mai streiken Kita-Beschäftigte in verschiedenen Bundesländern, um den Abschluss eines Gesundheitstarifvertrages zu erzwingen. Das jüngste Angebot der Arbeitgeber lehnten die Gewerkschaften ab. Gespräche finden momentan nicht statt. Falls notwendig, soll auch nach den Sommerferien weiter gestreikt werden.
Betroffene Eltern sind wütend. Ja, der Streik tue weh, schreibt Claudia Jansen, Gründerin der Initiative "Elternstreik", in der sonntaz. Er treffe vor allem die Kinder hart. "Unser zweijähriger Sohn war vor dem Streik ein robuster Draufgänger -- nun ist er ein kleiner Junge, der herumgetragen werden möchte, viel weint und unter Schlafstörungen leidet", schreibt Jansen. Sie fordert von den Streikparteien mehr Respekt für die Position der Familien. Ihrer Initiative haben sich in Köln bereits Eltern von 35 Kitas angeschlossen.
Hinter den Streik stellen sich dagegen die Tagesmütter. Der Unmut vieler Eltern zeige nur die Notwendigkeit, in gute Tageseinrichtungen und Kindertagespflegeplätze zu investieren, sagte Renate Braun-Schmid, Vorsitzende des Bundesverbandes für Kindertagespflege, taz.de. "Vielen Tagespflegepersonen geht es gleich. Neben der schlechten Bezahlung finden sie keine berufliche Anerkennung, obwohl die Anforderungen kontinuierlich steigen." Sabina Schutter vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter sagte: "Die Angst, wegen mangelnder Kinderbetreuung den Arbeitsplatz zu verlieren ist verständlich, aber für Alleinerziehende auch ohne Streik an der Tagesordnung."
Im "Streit der Woche" in der sonntaz schreiben neben von der Leyen, Meerkamp und Jansen der Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers, der Sozialwissenschaftler Werner Zettelmeier und Klaus Keller, der seinen Beitrag auf taz.de gestellt hat. Die Münchener Erzieherin Birgit Hammer-Sommer spricht über das Dilemma von Streiks in sozialen Berufen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert