: Stets auf Posten
■ Buchholz' SFB-Kolumne, die zu seinem Rauswurf führte DOKUMENTATION
Ich bin in diesen schweren Zeiten stets auf Posten. Ich bin gewissermaßen der letzte Vopo, ein Vorposten der freien Welt. Als deutscher Held stehe ich meinen Mann, das heißt: ich sitze schon im Fronteinsatz am Golf, immer in der ersten Reihe — und das nicht nur bei ARD und ZDF. Jeder Privatsender hat ja den Kanal voll davon — und die Amis senden auf CNN rund um die Uhr. [...]
Erst sah es ja so aus, als ob der Beginn des Matches unnötig verzögert würde, aber nach einer Nacht vergeblichen Wartens stellte ich dann George Bush in gedanklicher Telekommunikation ein Ultimatum: entweder es geht in der nächsten Nacht los, oder ich schalte ihn brutal ab, also meinen Fernseher. [...] Und wir Deutschen gucken dabei leider wieder mal nur in die Röhre. Auf der Bonner Hardthöhe weht deshalb das deutsche Gemüt auf Halbmast. [...] Wobei ja die westdeutsche Rüstungsindustrie den Irakis schon vorab genügend Minen geliefert hat — ebenfalls original bundesdeutsche Leichenminen.
Aber auch George Bush hatte bei seiner Fernsehansprache so einen gewissen Grieneisen-Charme. Nun ja, zumindest muß man ihm eines lassen: der Bush hat mit seinen Absichten nie hinter sich selbst gehalten. Am Golf bekriegt er die ideologische Krise in den USA: Nachdem durch Gorbatschow den USA plötzlich das Reich des Bösen abhanden gekommen war, gab es im Reich der Börsen große Verwirrnis. [...]
Da traf es sich wohl ganz gut, daß da ein mittelmächtiger Diktator, mit dem man sich vorher immer gutgestellt hatte, einen anderen mittelmäßigen Diktator in seiner Nachbarschaft, nämlich den Emir von Kuwait, in die Wüste jagte, wo er nach Meinung der USA nicht hingehört.
Da verstand Saddam Hussein die Welt nicht mehr: Man hatte ihn doch großzügig gewähren lassen, als er Zehntausende von Kurden vergasen ließ. [...] Schließlich, so sagte er, sei er doch neben dem deutschen Kanzler der zweite große Vereiniger des letzten Jahres. Und wo er recht hat, hat er recht. Kuwait und Irak gehörten tatsächlich beide einst zum Osmanischen Reich. Es ging also auch dort um Ossis. [...] Martin Buchholz
(Siehe auch Artikel S. 30)
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