Start des Draußenstadt-Projekts: Draußen nur im Osten

Ab August darf auf dreizehn Flächen Kultur draußen stattfinden. Doch das ist nur ein Teil des unübersichtlichen Draußenstadt-Projekts. Ein Überblick.

Ein Boot liegt auf einer Wiese und mehrere Menschen sitzen entspannt drauf und stehen drum herum.

Schon vor einem Jahr diskutierte man im Spreepark über die Zukunft Berliner Veranstaltungsorte Foto: Christian Thiel

BERLIN taz | In der Draußenstadt tut sich endlich was: Bei der Outdoor-Kultur-Initiative des Senats ist seit dieser Woche klar, welche Veranstaltungen Geld aus dem 1 Million Euro großen „call to action“-Fördertopf bekommen. 550 Projekte hatten sich beworben, 69 werden insgesamt gefördert. Im Schnitt kriegt jeder nun rund 14.000 Euro, verteilt von der Senatsverwaltung für Kultur und deren Stiftung für kulturelle Weiterbildung. Eine 11-köpfige Jury hatte über die Anträge entschieden.

Ab August Ausführlich ist das Programm der diese Woche vorgestellten Projekte noch nicht verfügbar.

Alles draußen Der– teils sehr unübersichtliche – offizielle Kalender listet geförderte Projekte neben anderen Veranstaltungen unter freiem Himmel auf.

Im Herbst Das Marionettenkollektiv Artistania wird in Neuköllner Hinterhöfen Puppentheaterstücke aufführen. Das Künstlerkollektiv Guerilla Architects macht von den Resten der Brommybrücke aus im November die Mechanismen von Immobilienspekulation sichtbar.

Tanzen Auf der Brache 09 in der Wuhlheide gibts bereits jetzt Partys – diesen Freitag etwa die „Brachialsession“. Bis 22 Uhr kann man dort tanzen. (cpm)

Noch wird nicht viel über das Programm verraten, lediglich eine Liste mit Namen und Ver­an­stal­te­r*in­nen findet sich online. Es zeichnet sich aber ab: Da werden längst nicht nur Open-Air-Partys gefördert, wie es vorher fälschlicherweise oft hieß. Auf dem Programm stehen Theater, Kunst, Musik, Literatur – also fast alle Sparten von Kultur.

Vier dieser 69 Veranstaltungen finden am Brommybalkon an den Überresten der Brommybrücke an der Spree auf Kreuzberger Seite statt. Dort steigen auch einzelne Partys. Denn der Brommybalkon ist Teil der 13 Flächen (siehe Karte), die die Clubcommission für das Projekt aufgetrieben hat.

Das Kollektiv „Räuberherz“ verwaltet den Brommybalkon. Sie bauen etwa die Infrastruktur vor Ort auf, werden dafür bezahlt und können dort eigene Partys organisieren. Weil der Brommybalkon als Straße gilt, braucht es allerdings für jedes Event eine Genehmigung. „Kompliziert“ sei das, sagt Max Birkenhagen vom Kollektiv. Den Behörden will er keine Schuld zuschieben: „Die Politik schlägt schnell große Töne an und am Ende werden die Behörden nicht mitgenommen.“ Trotzdem lobt er: „Das ganze Projekt ist schon einmalig.“

Kommunikatives Durcheinander

Doch was findet sich eigentlich alles zusammen unter dem Label Draußenstadt? Zunächst einmal ist die Draußenstadt ein kommunikatives Durcheinander: drei Säulen der Finanzierung, zwei Jahre Laufzeit, ein Onlinekalender, drei Webseiten, sieben Millionen Euro, dreizehn eigens hergerichtete Flächen und unzählige Veranstaltungen – auch an weiteren Orten.

Also nochmal nacheinander: Aufgrund von Corona hatte der Senat schon im vergangenen Jahr beschlossen, sieben ­Millionen Euro für die Draußenstadt bereitzustellen. Die Senatsverwaltung für Kultur beauftragte die Clubcommission – wegen ihrer Erfahrung in der Open-­Air-Szene – geeignete Flächen für Outdoor-Veranstaltungen ausfindig zu machen und brachte Antragsverfahren für die Fördertöpfe auf den Weg. Ein ­erster Aufruf zu Projektanträgen kam im September, dann wurde es Winter. Pause. Die Ausschreibung wurde gestoppt. Diesen Sommer also der zweite Anlauf.

Finanziell gliedert sich Draußenstadt in drei Teile: Auf Bezirksebene darf jeder Bezirk 100.000 Euro verteilen. Dann ist da noch der „Projektfonds Urbane Praxis“: Der fördert Kunstprojekte, die sich mit dem öffentlichen Raum auseinandersetzen – und die es teils schon gibt.

Gelbe, rote und blaue Websites

Im Mai wurde bekanntgegeben, wer die Förderung bekommt, ab Juni fanden erste Aktionen statt, an Orten wie dem Haus der Statistik am Alexan­derplatz oder der Floating University an der Hasenheide. Nur, wann genau was passiert, das ist nicht so leicht herauszufinden. Unter dem Reiter „Termine“ findet sich auf der offiziellen (gelben) Website nur eine Liste der geförderten Projekte.

Der Draußenstadt-Kalender hilft auch nicht weiter: Der ist ein unübersichtlicher Wust auf einer (roten) Website, in den je­de*r Veranstaltungen eintragen kann. Hauptsache draußen. Da sind dann auch Lehm-Workshops für Kinder zu finden.

Nun geht es also mit den extra senatsgeförderten Projekten los. Das ist die Draußenstadt mit der dritten (blauen) Website. Veranstaltungen sollen nun von August bis Dezember laufen, alle kostenlos. Weil über die Förderung allerdings erst jetzt – kurz vor dem lang angekündigten Start – entschieden wurde, haben nicht alle Ver­an­stal­te­r*in­nen schon konkrete Termine geplant.

Und nicht alle bespielen die extra erschlossenen Draußenstadt-Flächen (die übrigens alle im geografischen Osten der Stadt liegen). Die seien „nur ein Angebot auf die schwierige Lage, Genehmigungen zu bekommen“, sagt Yann Kersaint von der Stiftung für kulturelle Weiterbildung. Manche Künst­le­r*in­nen würden sich auch selbst um Flächen kümmern. Die Clubcommission als Partner ist allerdings zufrieden: „Das ist die richtige Strategie. Das was draußen passiert, ist richtig gut“, sagt Sprecher Lutz Leichsenring.

In der Außenwirkung ist das Projekt trotzdem diffus: Unter dem Draußenstadt-Schirm findet so vieles Platz, dass letztlich nichts hervorsticht. Jeder Draußenstadt-Teil fährt einen anderen Zeitplan, sodass die Initiative wie eine riesige Schnecke wirkt, die nicht so recht in Gang kommt. Aber immerhin, fast ist August – es geht offiziell los!

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