■ Standbild: Abziehbild mit Hund
„Pudel-Paule und das kontrollierte Chaos“, Di., 23 Uhr, ZDF
Im neuen Berlin gibt es drei Sorten von Menschen: Künstler, Bauarbeiter und Motzberliner. Die Bauarbeiter bauen und disponieren um. Die Künstler ziehen um und haben Freunde aus Italien. Die Motzberliner tragen Trainingshosen, motzen und führen ihre Hunde Gassi.
Keine schlechte Idee eigentlich, den drei Hauptabziehbildern der östlichen Berliner Innenstadtbezirke einmal dabei zuzuschauen, wie sie genau das machen, was alle Welt von ihnen glaubt. Und das auch noch ohne einen Reporter, einfach nur via Kameraauge...
Schön gedacht und doch nicht eingelöst. Zwar gab es tatsächlich nur die gegeneinandergeschnittenen Tagesabläufe der Baustelle am Reichstag und des Künstlerheims in der Luisenstraße zu sehen, wo der Rentner, den der Kiez als Pudel-Paule kennt, im Hinterhaus wohnt, aber von Lakonie keine Spur. Stattdessen ließ eine Stimme fortwährend das „a“ in irgenwelchen „Millardenbeträgen“ knallen und auch sonst kein Klischee aus. Da ist eine „Materialschlacht ohne Beispiel“, High Tech-Monster machen den „kollosalen Entwurf“ unsicher, Künstler sind „schrill und talentiert“, und die Avantgarde “einfallsreich“. Bis Pudelpaule das erste Mal zu Wort kam, war ein Drittel des Films um. Dann aber motzte er gleich einen Gemüsehändler an.
Nachdem vom Nationalkonservativen bis zum Popintellektuellen schon jeder vermeldet hat, was zur neuen Mitte (Berlins) zu sagen sei, mußte man bei den “Geschichten aus Berlins neuer Mitte“ schon den Ton wegdrehen: Dann hatte man zwar einen Antidot zur Mitte-Hysterie. Doch dann hätte Pudel-Paule nur gestikulieren und die Hunde ausführen sehen. Und dit is ooch nüscht. Tobias Rapp
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