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■ StadtmitteAuf dem Weg in eine bessere Medizin

„Brücke und ich, wir haben uns verschworen, die Wahrheit geltend zu machen, daß im Organismus keine anderen Kräfte wirksam sind als die gemeinen physikalisch-chemischen“, schrieb Emil Du Bois-Reymond 1842. Der gebürtige Berliner Sproß einer Hugenottenfamilie, später Professor an der Humboldt-Universität, sammelte gemeinsam mit Ernst von Brücke – wie Du Bois-Reymond Physiologe – in Berlin die Gründerväter der naturwissenschaftlichen Medizin um sich und setzte das heutige Leitbild weltweit durch. In kurzer Zeit eroberte das „Maschinen- Paradigma“ der Biomedizin Denken und Handeln der Ärzte. Diese naturwissenschaftliche Glaubenslehre wurde zum Dogma und leugnet bis heute die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Physik.

Heute bricht sich ein neues Paradigma Bahn: Arzt und Patient begegnen sich als Subjekte. Prozesse des Gesundens und Heilens sind Geschehnisse, bei denen Körper und Geist, Leib und Seele, Molekül und Kultur ineinanderwirken. Mit dem Gesundheitstag 1980 setzte Berlin ein erstes Zeichen, propagierte eine Heilkunde, die Körper, Seele und soziale Verhältnisse integriert. Seit 1987 avancierte die Ärztekammer Berlin zum Hoffnungsträger der reformbereiten gesundheitspolitischen Kräfte. Ein Berliner Arzt organisierte die „Ottawa-Konferenz“ der Weltgesundheitsorganisation zur Gesundheitsförderung.

Die Berliner Ärzteschaft hat integrierte Medizin und ganzheitliche Sorge um die Gesundheit der Menschen zu ihrem gesundheitspolitischen Programm gemacht. Die Ärzteschaft in sozialer Verantwortung ist so etwas wie das Gesundheitsgewissen der Bevölkerung.

Ärztinnen und Ärzte, die aus der Studentenrevolte 1968 über die Gesundheitsbewegung der achtziger Jahre an das anthroposophische Gemeinschaftskrankenhaus nach Herdecke gezogen sind, kommen jetzt nach Berlin zurück. Erstmals ist es gelungen, ein städtisches Krankenhaus in die Trägerschaft eines ganzheitlich orientierten, anthroposophischen Vereins zu übertragen. Diese Medizin „arbeitet aus einem geisteswissenschaftlich begründeten Verständnis, den Patienten in die Diagnostik und Therapie als aktiven Partner einzubeziehen. In der Herangehensweise und pathogenetischen Betrachtung von Erkrankungen bedeutet dies die Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten eines Patienten, um seine Selbstheilungskräfte in der Therapie optimal wirksam werden zu lassen. Die Förderung einer aktiven Beteiligung des Patienten in den Interaktionen des therapeutischen Prozesses hat einen zentralen Stellenwert in der anthroposophischen Medizin.“

So formuliert der Trägerverein sein Ziel: Keine Glaubenslehre, sondern die bescheidene und nüchterne Absicht, eine menschliche Medizin in die Praxis umzusetzen, prägt den Kreis derjenigen Ärzte, die im künftigen Krankenhaus Havelhöhe ans Werk gehen.

Während die kleinkarierte Senatspolitik Universitätskliniken zu einer Medizin des letzten Jahrhunderts fusioniert, vertritt die Berliner Ärzteschaft eine andere Medizin: Der Mensch ist unser Maß und unsere Heilkunst ist Dienst für die Bevölkerung. Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe ist ein weiteres Zeichen der Hoffnung, daß von Berlin ausgehend das neue Paradigma der Humanmedizin sich wieder durchsetzt.

Dr.med. Ellis Huber

Präsident der Ärztekammer Berlin

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