piwik no script img

■ TipStaatspinsel

„Das Bild im eisernen Rahmen“: heute, am 11. und 18.9., 19.30 Uhr, arte

Vornehm, mit Anzug und Krawatte, ging der Künstler im Stalinismus zu Werke. Die sanfte, sozialistisch-realistische Pinselführung rief offenbar keinerlei Besudelung der Garderobe hervor, die Arbeitsräume waren unbefleckt wie orthodoxe Kirchen. Das zumindest machen die Propagandafilme glauben, die seinerzeit über die UdSSR-Staatskünstler gemacht wurden. Deren Ansehen ging so weit, daß man sie in Stein hauen ließ, genau wie die Helden der Revolution, die sie in ihren Werken abfeierten – so daß man sich am Ende praktisch gegenseitig huldigte.

Eineinhalb Jahre lang recherchierte die russische Malerin und Regisseurin Olga Bruweleit für ihren Dreiteiler „Das Bild im eisernen Rahmen“ in Moskauer Archiven. Daß es mit dem „Tauwetter“ der fünfziger und sechziger Jahre auf dem Kunstsektor nicht weit her war, zeigen Bilder von damaligen Staatskunstausstellungen und Eindrücke einer nur zeitweilig geduldeten Subkultur. Hier gab man sich auch schon mal leichter bekleidet oder ganz nackt, wie bei einer Performance namens „Befruchtung des Bodens“. Trotzdem zeigt Bruweleit, daß sich auch die freie Kunst weder von Staatsthemen löste, die sie freilich in der Soz-Art auf den Kopf stellte, noch von der Religion. Und das bis heute.

Von den unendlich vielen Namen und Fakten, von den für Sekunden sichtbaren Bildern, von den offiziellen wie den privat entstandenen Filmausschnitten wird man beinahe erschlagen; und das, obwohl die Fleißarbeit mit Gemach in Szene gesetzt ist. Aber je mehr sich die Dokumentation der Gegenwart nähert, desto mehr wird aus der Materialsammlung eine sehenswerte Reportage. Im dritten Teil werden Künstler der Gegenwart im Interview vorgestellt, Ausstellungen und Kunsthändler werden besucht, und es stellt sich heraus, daß die Neureichen unter den Russen zunehmend interessiert sind, in die heimische Kunst zu investieren.

So endet der Film in einem zaghaften Optimismus, der sich nicht zuletzt auf die neue Freiheit in der Kunst gründet. Rußland ist doch weit weg.Oliver Rahayel

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen