: Staatsanwalt mag Grünen Punkt
■ Duales System gesteht: zu wenig Kontrolle
Berlin (taz) – Das Duale System kann nicht kontrollieren, der Staatsanwalt nicht strafverfolgen, aber ein niederländischer Unternehmer konnte deutschen Plastikmüll ohne Probleme nach Indonesien verschiffen. Nach Recherchen der taz hat die Firma Beside B.V. aus Ermelo von Februar 1992 bis zum Sommer des Jahres Plastikmüll des pfälzischen Müllkonzerns Becker nach Indonesien gebracht. Greenpeace hatte deutschen Plastikmüll mit dem Grünen Punkt in Indonesien entdeckt.
Doch in der Pfalz ticken die Uhren nach wie vor anders. Die Staatsanwaltschaft in Kaiserslautern will ein Strafverfahren gegen Becker wegen gefährlicher Abfallbeseitigung einstellen. „Die mutmaßliche Zusammensetzung des Mülls weisen ihn als nicht umweltgefährdend im Sinne der Strafbestimmung aus“, so Oberstaatsanwalt Helmut Bleh gestern. Die Strafverfolger hatten ein Gutachten in Auftrag gegeben, das auf der Basis von Annahmen über die Zusammensetzung des Mülls zu dem Ergebnis kam, dieser sei ungefährlich. Mit dem niederländischen Müllmakler Ivo Besselsen, dessen Firma Beside B.V. das Plastik nach Indonesien verschifft hat, hatte die Staatsanwaltschaft nicht einmal telefoniert. „Es hat keine Rolle gespielt, wo die Container hingehen.“ Ihr Inhalt sei ja nicht giftig gewesen.
Der Sprecher des Dualen Systems, Gunnar Sohn, beharrte gestern darauf, daß das DSD mit dem jetzt in Indonesien gefundenen Müll nichts zu tun habe. „Das sind Altlasten aus dem vergangenen Sommer.“ Was Entsorgungsfirmen gemacht hätten, bevor sie Verträge mit dem DSD abschlossen, sei deren Sache. Sohn räumte allerdings Kontrolldefizite ein: „Mit Kontrollen in den Verwertungsbetrieben allein werden wir das Problem wohl nicht in den Griff kriegen.“ Das DSD habe bislang keine Verträge mit Entsorgungsfirmen gekündigt. ten Seite 6
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