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„Spiegel“-Leser sind Nichtwähler

■ Mit einer großformatigen Anzeige im Hamburger Politheft kämpft eine Werbeagentur für die Demokratie

Berlin (taz) –Spiegel-Leser sind Nichtwähler. Wie sonst ist sie zu erklären, die großformatige Anzeige, die sich im neuesten Exemplar des Hamburger Politmagazins findet. Auf Seite 240 springen der Leserin die vier Farben der „Demokratie“ entgegen: schwarz, rot, grün und gelb. Ganz entgegen den politischen Verhältnissen billigt man allen vier Parteien die gleiche Präsenz zu. Quer darüber der Halbsatz: „Wer die Demokratie links liegen läßt“ – „tritt rechts in die Scheiße.“ Die Fortsetzung ist rechts plaziert – auf tiefbraunem Grund. Den erhobenen Zeigefinger findet der Betrachter direkt darunter: „Wer heute nicht wählt, hat morgen keine Wahl.“ Geschaltet und gestaltet wurde die Anzeige von der Stuttgarter Werbeagentur Leonhard & Kern.

Was will uns dieses Machwerk sagen? Auf den ersten Blick ist es eindeutig: Spiegel- LeserInnen, geht am 16. Oktober zur Wahl, sonst seid Ihr selbst schuld! Doch woran? Sechs Landtagswahlen und eine Europawahl liegen in diesem Jahr schon hinter dem deutschen Wahlvolk. Siebenmal lagen die „Republikaner“ unterhalb der Fünfprozenthürde und blieben somit außerparlamentarischer Rechtsaußen.

In diverse Landtage zog hingegen eine Partei namens PDS ein und sorgt seither für Entsetzensstürme und medialen Wirbel. Selbst wahltaktische Absprachen zwischen den etablierten Großparteien werden neuerdings diskutiert. Die PDS, so suggeriert auch das Spiegel-Bild, gehört nicht zur Demokratie dazu. Etwa weil sie noch so farblos ist? Karin Flothmann

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