: Sound-zu-Sound-Beatmung
■ Für die kalten Tage: Hutzliges, Surrendes und Zirpendes vom Klanghexer Peter Thomas, viel zu vertrackt, um bloß „easy“ zu sein
Man nennt ihn den „Godfather of Easy Listening“: Composer Peter Thomas, Schöpfer der „Raumpatrouille“-Titelmelodie, einem der ersten Tracks der Musikgeschichte, auf denen der Vocoder zum Einsatz kam – Thomas selbst besorgte die „Runterzähle“. Doch wird seine Musik zu Unrecht als „easy“ geschmäht, sie ist im Gegenteil von intrikater Vertracktheit. Der geistreiche Gimmick dominiert hier über profane Festigkeit, ein delikates Equilibrium aus erfüllten und leeren Räumen, aus Sirren und Zirpen, hutzligen Summierungen, die nie zu einem Ganzen sich runden.
„Moonflowers & Miniskirts“ bietet bisher unveröffentliche Archivaufnahmen, neben Soundtracks für obskure Fernsehkrimis, z.B. äußerst bemerkenswerte Sortisationen solch illustrer Chanteusen wie Senta Berger, Uschi Glas oder – man höre und staune: Donna Summer. Letztere müht sich in „Black Power“ redlich, gegen die Wirrnis von Thomas' Arrangement anzukämpfen.
Gegen die Biedernis von Uschi Glas freilich vermag auch ein Schöpfergott wie er nichts auszurichten. Es ist neben der zerbröselnden Form vor allem die klangliche Exuberanz, die besticht, dies Schwelgen in der Physis des Schalls, in irren oder, um es mit den jungen Leuten von heute zu sagen: „krassen“ Effekten, gegen die die exaltiertesten Soundexzesse unserer Zeit pomadig wirken.
Das haben nicht nur Pulp erkannt, die ihren Song „This Is Hardcore“ um ein Thomas-Sample strickten – im nächsten Jahr erscheint ein Thomas-Remix-Album, auf dem sich u. a. die High Llamas, Stereolab, Air und St. Etienne seiner Songs annehmen werden. Wer an der Welt verzweifelt, an der schnöden Konsequenz abendländischer Syllogistik, an der Fron kompositorischer Beweisführung, der sollte sich von dieser Platte beatmen lassen. Alle andern dürfen weitersterben. Markus Heidingsfelder
Peter Thomas: „Moonflowers and Miniskirts“ (Bungalow)
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen