Solidarität in der Beziehung: Ist das wirklich so schwer?

Schwarze Menschen verlangen nichts Außergewöhnliches von ihren weißen Freund*innen. Echtes Interesse und praktische Solidarität reichen aus.

Zwei Frauen protestieren mit Megaphon

Antirassistischer Protest vor der US-Botschaft am 31. Mai in Berlin Foto: Christian Mang/reuters

Es gibt so ein tragisch-komisches Meme, das die afroamerikanische Schauspielerin Viola Davis in ihrer Rolle als Annabel Keating zeigt – Protagonistin der Serie How to Get Away with Murder. Sie liegt neben ihrem weißen Partner und schaut ihn sauer an. Titel ist: Wenn du in einer „interracial“ Beziehung bist und gerade „Get Out“ gesehen hast.

Falls der Film „Get Out“ nicht mehr so richtig präsent ist im Kopf: Es geht um einen schwarzen Mann, der mit seiner weißen Freundin übers Wochenende zu ihren Eltern fährt. Liberale, gutmeinende weiße Amerikaner („Wir hätten Obama noch ein drittes Mal gewählt“).

In dem Horrorfilm von Jordan Peele wird aus dem gemütlichen Wochenende schnell ein Horrortrip, und plötzlich geht es um Leben und Tod für den schwarzen Freund. Und es endet tödlich.

Dieses Meme hätte ich am liebsten meiner Freundin Paula, die mit einem weißen Deutschen zusammen ist, gezeigt, als wir auf meiner Couch saßen und über die #BlackLivesMatter Demo sprachen, auf der wir waren. Gemeinsam mit 2.000 anderen Menschen haben wir am Sonntag vor der amerikanischen Botschaft gegen Polizeigewalt protestiert und uns mit den Opfern dieser Gewalt – ob Oury Jalloh in Deutschland oder George Floyd in Amerika – solidarisiert.

Selbsternannte Allies

Paula und ich sprechen also über die Demo, wundern uns über die Abwesenheit mancher „Freunde“, mit denen wir tagtäglich sprechen, die selbsternannte Allies sind und schwarze Kultur konsumieren, aber die sich bis auf ein paar schwarze Kästen auf Instagram nicht weiter mit schwarzen Menschen solidarisieren wollen oder können.

Paula erzählt also, wie ihr neuer Freund „die ganze Sache“ nicht mitgekriegt hat und nicht mit zur Demo wollte, weil er noch ein Lunch hat. Als sie sich (völlig zu Recht) darüber aufregt und ihm sagt, wie unsensibel es ist, sagt er, dass sie sich nicht so haben soll und er sie ja nur ein bisschen triezen wollte.

Liebe weiße Partner*innen von schwarzen Menschen: Falls ihr auch so denkt wie der Freund von Paula, wünsche ich euch alles Schlechte dieser Welt.

Falls ihr euch unsicher seid, was zu tun ist: Lest und informiert euch und erwartet keine kostenlose Bildungsarbeit von euren Partner*innen.

Fragt nach, was die Person gerade braucht. Hört zu. Seid da. Schweigt, wenn es notwendig ist. Nehmt euch zurück, wo es angebracht ist. Schaltet euren Kopf oder euer Herz ein und versucht „den Raum zu lesen“, wie man so schön auf Englisch sagt. Spendet an Organisationen, die gerade wichtige Arbeit leisten.

Und erkundigt euch, wie es der Person geht. Nicht um besser dazustehen, sondern damit es euren Partner*innen danach wirklich besser geht. Klingt nicht so schwer, oder? Das gilt übrigens auch für Freund*innen.

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Journalistin, Speakerin und freie Kreative. Kolumne: "Bei aller Liebe". Foto: Pako Quijada

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