Sogenannte Dokumentationen: Toni, Basti, David und Melania
Nicht erst seit „Melania“ werden PR-Filmchen als Dokumentationen bezeichnet. Filmische Sportlerporträts sind oft erschütternd belanglos.
D as muss man erst mal schaffen. Alle Welt redet über einen Film, den eigentlich niemand angeschaut hat. Klar, die Rede ist von „Melania“, das Amazon-Produkt über die Frau von US-Diktator Donald Trump. Warnungen werden ausgesprochen. Das sei keine Dokumentation, für die da auch in deutschen Städten auf den üblichen Reklameflächen unübersehbar geworben wird, heißt es dann. Es sei ein Imagefilm, ein PR-Produkt oder pure Propaganda für ein Leben, dessen Sinn vor allem darin besteht, das richtige Kleid zum anstehenden Dinner auszuwählen.
Diese Art von Nichtdokumentationen, die unter dem Label Dokumentation laufen, gibt es zuhauf in den Angeboten der Streamingdienste oder den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen. Besonders verbreitet ist dieses Genre unter den zahlreichen sogenannten Sportdokus. Die meisten dieser unterwürfigen Anhimmelungsfilme haben keinerlei neue Erkenntnisse zutage gefördert. Sie dienten allein der Überhöhung des porträtierten Subjekts oder Teams.
Ein besonders grausames Beispiel dafür ist der Film mit dem besonders grausamen Titel „Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende“, in dem ein Mann im Fußballerruhestand über sein Leben spricht, der vollständig mit sich im Reinen ist. Viel langweiliger kann es eigentlich gar nicht sein.
Das wirklich einzig erwähnenswerte Detail ist der eitle Auftritt von Til Schweiger in dem 113 ewige Minuten währenden Film, an dem Deutschlands Lieblingsschauspieler als Produzent eigentlich schon Schaden genug angerichtet hatte.
PR für den FC Bayern
Ähnlich sinnlos war auch die kleine Amazon-Dokuserie über den deutschen Rekordmeister im Männerfußball mit dem Titel „FC Bayern – Behind the Legend“. Die verspricht einen „hautnahen Einblick in die Kabine“. Melania zieht sich zum Abendessen an, die Spieler des FC Bayern tun es für ein Champions-League-Spiel. Ein paar Archivbilder dazu und fertig ist eine Dokumentation mit Bildern, die man so noch nie gesehen hat.
Dass so etwas nicht wirklich etwas taugen kann, war 2021, als der Bayern-Werbefilm erschien, nur allzu offensichtlich. Wer da in München durch die Fußgängerzone in der Stadtmitte gegangen und an dem hässlichen FC-Bayern-Kaufhaus vorbeigekommen ist, der konnte das riesige Werbeplakat für die Serie, das daran angebracht war, nicht übersehen. Vielleicht sollte man sich nur noch Sportdokus anschauen, bei deren Premiere die Porträtierten nicht anwesend sind. Man würde sich so manch devote filmische Hagiografie ersparen.
Was Robbie Williams sagt
Dann hätte man auch „Kroos“ nicht gesehen, die Scheindokumentation über Deutschlands international erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten. Der von der Film- und Medienstiftung NRW, des Film-Fernseh-Fonds Bayern sowie des Deutschen Filmförderfonds mit Steuermitteln gepamperte Streifen verspricht tiefe Einblicke in die Gedankenwelt eines der erfolgreichsten Fußballer der Welt. Es ist ein leeres Versprechen. Dafür weiß man nach Ansicht des Films, was Popstar Robbie Williams über Toni Kroos denkt: nur das Beste natürlich.
Nicht viel anders ist das bei der Netflix-Serie über Englands Heldenfußballer David Beckham. Auch da gibt es nur das Bild zu sehen, das der Porträtierte selbst von sich zeichnet. Das hat bisweilen durchaus Tiefe, wenn Beckham über den psychischen Druck spricht, unter dem er bisweilen litt.
In erster Linie scheint es in der Serie aber darum zu gehen, wie gut Beckham immer ausgesehen hat und wie gut er immer noch aussieht. Das könnte bei „Melania“ ähnlich sein. Vielleicht hat den Film ja doch jemand gesehen, der das bestätigen könnte.
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