: So krank macht PCP
Der Stoff kann vielfältige Leiden auslösen, unter anderem MCS
BERLIN taz ■ PCPs, ausgeschrieben Pentachlorphenole, sind schwerflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe. Sie wirken gegen Bakterien und Schimmelpilze und wurden daher früher zum Holzschutz etwa im Mittel Xylamon und auch zum Imprägnieren von Textilien und Leder benutzt. Ihre Häufigkeit im Alltagsbereich machte sie zu einem Paradebeispiel für die Auswirkungen der Chlorchemie auf den Menschen.
Produktionsbedingt enthalten kommerzielle PCP-Chemikalien Verunreinigungen von anderen chlorierten Kohlenwasserstoffen, wie etwa Spuren von Dioxinen (Dibenzo-p-dioxine, Dibenzofurane) und PCB, so Greenpeace. Das langsam ausdampfende PCP und seine Begleitverbindungen verursachen typische Symptome wie Mattigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit bis hin zu geistiger Desorientierung.
Neben diesen Auswirkungen können die chlororganischen Verbindungen auch den Weg bereiten für eine weitere Krankheit: MCS, die Multiple Chemical Sensitivity. Unter diesem Namen wird eine starke Empfindlichkeit gegenüber einem breiten Spektrum von chemischen Stoffen zusammengefasst. Von Spritzmitteln in der Landwirtschaft über militärische Kampfstoffe, Bauchemie, Konservierungsmittel in der Nahrung bis zu Plastikzusätzen – je nach Fall reagieren MCS-Kranke auf ein breites, jedoch individuell verschiedenes Spektrum von Stoffen.
MCS-Kranke weisen eine Vielzahl von Symptomen auf, die von Müdigkeit über Entzündungen bis zu schwersten allergischen Schocks reichen. Das unklare Krankheitsbild erschwert die korrekte Diagnose. Wer an MCS leidet, ist in seiner Bewegungsfreiheit oft stark eingeschränkt. Selbst das Einkaufen im Supermarkt ist meist unmöglich, weil dort die verschiedensten Verbindungen aus den jeweiligen Waren in der Luft umherschwirren.
Chlororganische Verbindungen sind wahrscheinlich nicht die einzigen Verbindungen, die MCS auslösen können. Hier gibt es auch unter den MCS-Kranken verschiedene Theorien. In den USA etwa hat der Journalist William Thomas zahlreiche Berichte von Menschen zusammengetragen, die nach dem Überflug von Militärmaschinen über MCS-ähnliche Symptome geklagt hatten, und verbindet das mit deren Treibstoff namens JP-8. REINER METZGERMCS im Internet:www.t-online.de/home/bruno.hennek/intern.htm, www.free.de/WiLa/Berufskrankheit, www.hausarzt.ch/open/aerzte/mcs.htm.
Die Zeitschrift Koryphäe, Cloppenburger Str. 35, 26135 Oldenburg, veröffentlichte in ihrer letzten November-Ausgabe einen MCS-Schwerpunkt (Kosten 10 plus 2 DM per Verrechnungsscheck).
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