: Sexueller Mißbrauch
■ Flachslanden-Prozeß erneut geplatzt
Ansbach (dpa) – Im Prozeß um den Kindermißbrauch-Skandal von Flachslanden ist das Verfahren gegen einen 39jährigen Angeklagten zum zweiten Mal geplatzt. Der Rechtsanwalt des Mannes hatte Zweifel an „den phantastischen und widersinnigen Aussagen“ der Kinder geäußert und die Aussetzung des Verfahrens beantragt. Die Richter am Landgericht Ansbach gaben dem Antrag gestern statt.
Die Opfer hatten bei einer Vernehmung in einer anderen Sache den 39jährigen am Freitag erneut belastet. Nach Ansicht des Rechtsbeistands können diese Vorwürfe aber nicht zutreffen. Der Verteidiger habe jetzt die Gelegenheit, zu den Aussagen der Kinder Stellung zu nehmen, sagte ein Justizsprecher auf Anfrage. Möglicherweise werde die Glaubwürdigkeit der Kinder mit einem ergänzenden Gutachten überprüft. „Die bisherigen Aussagen werden dadurch aber nicht erschüttert“, betonte der Justizsprecher.
Mit der Entscheidung der Richter wurde ein anderer Antrag des Verteidigers auf Unterbrechung der Verhandlung wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen seines Mandanten hinfällig. Der Angeklagte war nach Auskunft seines Anwalts von Mithäftlingen zusammengeschlagen worden. Diese drohten dem 39jährigen offensichtlich weitere Prügel an, wenn er kein Geständnis ablege. Nach Angaben des behandelnden Arztes erlitt der Angeklagte Prellungen und Schürfwunden, sei aber nicht verhandlungsunfähig.
Der Prozeß gegen den 39jährigen war im März schon einmal ausgesetzt worden, um die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu überprüfen. Teilgeständnisse hatte der Angeklagte noch vor Beginn dieses Verfahrens widerrufen und die Vorwürfe des sexuellen Mißbrauchs sowie der Vergewaltigung seitdem hartnäckig bestritten.
In der bundesweit bislang größten Prozeßserie um sexuellen Mißbrauch von Kindern sind seit Februar zehn Angeklagte zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren verurteilt worden. Insgesamt werden sechzehn Männer und fünf Frauen beschuldigt, in dem mittelfränkischen Dorf Flachslanden neun Kinder im Alter von zwei bis elf Jahren mißbraucht zu haben. Gegen die Mutter der am meisten betroffenen Kinder soll der Prozeß in der kommenden Woche beginnen.
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