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Sexistische Echokammern

Silicon Valley Ein Google-Mitarbeiter schreibt eine Polemik, die Frauen als schlechte Programmiererinnen beschreibt. Viele aus dem Konzern stimmen dem immer noch zu

von Belinda Grasnick

Zehn Seiten. So lang ist das Dokument, in dem sich ein Google-Entwickler über die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen auslässt, um zu begründen, warum Frauen vermeintlich schlechter programmieren. Das Dokument wurde zunächst innerhalb des Konzerns verbreitet. Seit Sonntagabend ist es online veröffentlicht.

Selbstverständlich kann der anonym gebliebene Autor seine Äußerungen auch erklären: Frauen seien offener gegenüber Gefühlen und Ästhetischem als gegenüber Ideen. Deswegen seien sie häufiger in sozialen oder künstlerischen Berufen tätig. Laut dem Autor sind die Unterschiede nicht einfach nur gesellschaftlich konstruiert, sondern existieren universell in allen Kulturen und haben klare biologische Ursachen. Frauen sind seinen Ausführungen zufolge übrigens auch neurotischer als Männer.

„Google’s Ideological Echo Chamber“ lautet der Titel der Polemik. Der Autor wirft Google vor, innerhalb des Konzerns herrsche eine „linke Verzerrung“, die eine „politisch korrekte Monokultur“ hervorrufe. Wer anders denkt, traue sich nicht, dies zu äußern.

Im Silicon Valley gibt es Sexismus – das ist nichts Neues. In den letzten Monaten gab es erstmals sogar Rücktritte, nachdem Frauen sexuelle Belästigungen und Diskriminierungen am Arbeitsplatz öffentlich machten. Die Google-Polemik spiegelt die Silicon-Valley-Mentalität in vielerlei Hinsicht wider, sagt auch Vivek Wadhwa, ein Forscher an der Carnegie Mellon University, der häufig den Mangel an Vielfalt in der Tech-Branche kritisiert. Dem britischen Guardian sagte Wadhwa: „Man könnte das vielen Leuten zeigen und sie würden sagen: ‚Ja, dem stimmen wir zu.‘ “ Das klingt mehr nach den 1950er Jahren als nach der ach so fortschrittlichen Technologiebranche.

Offenbar stimmen auch bei Google einige Mitarbeiter den Inhalten des Dokuments zu. Das ist kaum verwunderlich. Schon im April erklärte das US-amerikanische Arbeitsministerium, dass es bei Google systematische Probleme mit gleichberechtigter Bezahlung gibt. Das Ministerium bezeichnete die Diskriminierung bei Google sogar als „ziemlich extrem“. Ein Anwalt des Arbeitsministeriums sagte im April dem Guar­dian, dass es starke Anhaltspunkte für eine „sehr entscheidende Diskriminierung gegen Frauen“ in der Hauptgeschäftsstelle von Google gebe.

Googles neue Vizepräsidentin für Diversität, Integrität und Kontrolle, Danielle Brown, antwortete mit einem Statement auf das zehnseitige Dokument. Die Polemik sei „kein Standpunkt, den ich oder der Konzern unterstützen, fördern oder ermutigen“, so Brown. Teil eines offenen Umfelds sei aber auch, dass andere Standpunkte vertreten werden dürfen. Sexismus und Vielfalt – das funktioniert wohl auch zusammen ganz gut.

Google veröffentlicht inzwischen demografische Daten – angeblich, um Diskriminierungen vorzubeugen. Die im Juni dieses Jahres veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings, dass sich der Anteil an Frauen und schwarzen Mitarbeiter*innen 2016 im Vergleich zu 2015 nicht verändert hat. Es hat zwar einen leichten Anstieg an Frauen in technischen und Führungspositionen gegeben, der Anteil liegt bei Google aber immer noch bei nur 20 Prozent. Der US-weite Durchschnitt liegt bei 26 Prozent.

Es reicht womöglich doch nicht aus, neue Posten mit schick klingenden Titeln zu schaffen, um mit tiefsitzenden Vorurteilen und patriarchalen Strukturen aufzuräumen. Stattdessen sollte der Konzern lieber junge Frauen fördern, die in technischen Berufen arbeiten wollen. Als Branchenführer kann Google so anderen Unternehmen die Zukunft zeigen. Je mehr Frauen in der Branche arbeiten, desto normaler wird das Bild der Programmiererin. Dann fühlen sich auch weniger Männer in der Auffassung bestätigt, sie seien schlichtweg besser im Programmieren.

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