: Selten so wenig gelacht
■ Mainzelmännchenhumor vom Lerchenberg: Die Sitcom „Lukas“ mit Dirk Bach (Sonntag, 21.45 Uhr, ZDF)
Das nette Dickerchen steht in der Küche und weint. Die Wangen sind naß von Tränen. Zuerst ist nur sein Kopf zu sehen, dann schwenkt die Kamera ein wenig tiefer, und wir sehen, daß unser Held gar nicht traurig ist – sondern Zwiebeln schneidet. Als dieser kleine Spaß vor Jahrzehnten dem Repertoire der Mainzelmännchen-Spots zugefügt wurde, war er zwar auch nicht mehr neu, aber irgendwie niedlich wie alle Werbeunterbrecher mit den ZDF-Maskottchen. Wenn einem nun aber der Dirk Bach das Zwiebelnschneiden als neuesten Coup der ZDF-Hauptabteilung Humor verkauft, bleibt einem doch eher die Spucke weg.
„Lukas“ heißt die Sitcom, die ab Sonntag jede Woche zu sehen ist und damit den Ost-West-Klamauk „Salto Postale“ ablöst – den man nun bei all seiner Flachheit fast wieder herbeisehnt. Dirk Bach ist Lukas, und Lukas ist ein Schauspieler auf dem langen Weg zum Ruhm. Die Wohnsituation, in der er sich bewegt, ist zwar für eine Sitcom nicht ungewöhnlich, für die Jetztzeit wohl eher schon. Lukas' Frau ist gestorben, seine Mutter geschieden, sein Vater pensioniert, und so leben drei Generationen – er selbst, sein Vater und seine Tochter – WG-mäßig zusammen, was die nötigen humorerzeugenden Reibungen bringen soll.
Nun gehört es zwar zum Wesen der Sitcom, daß Charaktere und komische Situationen standardisiert sind, daß man gängige Klischees verwendet und eigene entwickelt, um sie immer wieder aufzutischen, in Ausnahmen auch mal zu brechen. Aber selbst dafür reicht es hierzulande offenbar nicht. Weil die Autoren sich auf die sattsam bekannten US-Schemata verließen, finden sich in „Lukas“ ausschließlich von dort bekannte, vorhersehbare und somit komikfreie Gags. Und das, obwohl „Lukas“ explizit als Eigenproduktion ausgewiesen wird: Abkupfern wie bei „Bistro Bistro“ (von „Cheers“) wollte man, wie ZDF-Show-Redakteur Horst-Christian Tadey beteuert, diesmal nämlich nicht.
Das ZDF hat extra in großem Stil investiert. In Hürth bei Köln, wo auch RTL und Sat.1 freie Produktionsfirmen für sich arbeiten lassen, wurde eine Halle angemietet und darin eine Dreizimmerwohnung, KOB, im Guckkastenprinzip gebaut. An der offenen Seite fahren die Kameras entlang, über die hinweg ein Live-Publikum, das Woche für Woche geladen wird, auf die Bühne schaut. Denn die Lacher, das ist garantiert, sind echt und nicht vom Band. Humor ist, wenn man trotzdem lacht? Oliver Rahayel
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